Wörner, Ernst
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Rheinhessen: Kreis Worms — Darmstadt, 1887

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BECHTHEIM

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Das spätromanische Portal (Fig. 12), welches von der Turmhalle in das
Mittelschiff führt, hat einen geraden Sturz, auf dem eine primitiv gearbeitete Menschen-
hand ausgehauen ist. Die Eckgliederung der Gewände läuft oben in Menschen-
köpfen aus.

Fig. 12. Bechtheim}, ^Kirche. Portal in der Turmhalle.

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Das dritte romanische Portal (Fig. 13) befindet sich an der Nordseite, da
wo früher, vor seiner Verlängerung an den Turmwänden hin, das Seitenschiff
endigte. Es zeigt ähnlich, wie die Pfeilerstellung vor dem Triumphbogen, zwei
viereckte Pfeiler, deren Kämpfer über einer Welle eine Platte haben, und dazwischen
einen Rundpfeiler, bei dessen Kämpfer der Uebergang aus dem Rund in das
Viereck durch einen aus der Welle sich herausschneidenden Grat gebildet wird.
Einige Quader sind mit fischgrätartigem Steinhieb bearbeitet. Das vierte Portal,
dem letztgenannten gegenüber, zeigt reiche Barockformen.

Am dritten Stockwerk der Südwand des Turms befindet sich eine Inschrift-
tafel mit zierlicher Renaissanceumrahmung. Ein muschelartiger Aufsatz bekrönt sie,
und sie ist von einer Pilasterstellung flankiert. Neben den Pilastern sind stehende,
konsolenartige und reich ornamentirte Anläufer angebracht. Die Inschrift lautet:
Nach anfang der weit 5544 ward dieser thv gehauen durch hans gutmann Steinmetzen.
Es ist nicht festzustellen, auf welcher unter vielen Weltaeren diese Jahrzahl beruht.
Unter den Weltaeren, welche eine zu den Formen des Steins passende Jahrzahl
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