Wörner, Ernst
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Rheinhessen: Kreis Worms — Darmstadt, 1887

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KREIS WORMS

HOCHHEIM

FARRDORF westlich von Worms, früher Hoveheim (1068), Hocheim
(1141), Hogheim (1223), Hoicheim (1262), Hochheim (1269). Die
Geschichte von Hochheim ist eng verknüpft mit derjenigen der benach-
barten Dörfer Pfiffligheim und Leiselheim, sowie mit derjenigen von
Horchheim, Weins heim und Wies-Oppenheim. Alle diese Dörfer gehörten zur
alten Herrschaft Stauf, welche ursprünglich den Grafen von Eberstein zustand,
dann an die Grafen von Zweibrücken und von diesen 1378 durch Kauf an den
Grafen Heinrich II. von Spanheim überging. Im Jahre 1393 fielen die Orte durch
Erbgang an den Grafen Philipp von Nassau-Saarbrücken. Doch wurden sie von
den Inhabern der Herrschaft Stauf nur in Gemeinschaft mit dem Domstift Worms
als dessen Lehen besessen. Auch das Dorfgericht war nach Urkunden aus dem
15. Jahrhundert gemeinsam zwischen Nassau und Worms. Doch erscheint das
Domstift auch im alleinigen Besitz des Dorfgerichts zu Hochheim und Pfiffligheim,
dessen Sprengel beide Orte bildeten, so im 14. und bis zum 16. Jahrhundert, 1384 auch
als Gerichtsherr zu Leiselheim. Im Anfang des 18. Jahrhunderts erscheint die
Pfalz im alleinigen Besitz von diesen drei Orten, während sie die gleichzeitig
ertauschte Hälfte von Horchheim, Weinsheim und Wies-Oppenheim an das Stift
überliess, welche so in den ganzen Besitz dieser Orte kam.

Die katholische Kirche, der Jungfrau Maria geweiht, ist die frühere Kirche
des Klosters Himmelkron. Sie wird von Bauten umgeben, welche innerhalb des
alten Klosterberings errichtet sind, und im Süden und Westen stösst an sie direkt
der Klostergarten, jetzt Weinberg. Alles Territorium mit Ausnahme des Kirchen-
gebäudes ist jetzt Privateigentum. Dieses selbst stellt sich als ein einschiffiger
gotischer Bau mit ursprünglich flacher Decke und späterem Dach dar, an welchen
im Osten ein in drei Seiten eines Vielecks geschlossenes Chorhaupt anstösst. Den
Formen nach gehört der Bau dem 15. Jahrhundert an. Das Schiff hat jetzt auf
jeder Seite acht spitzbogige Fenster, die zweiteilig sind (bei einigen ist der Mittel-
pfosten durch einen Holzbalken ersetzt) und im Schluss einen Vierpass haben;
die Öffnungen der beiden ersten Fenster von Westen her sind zugemauert. Das
spitzbogige Portal, mit einem hölzernen, schiefergedeckten Vordach versehen, befindet
sich in der Mitte auf der Vorderseite, eine zugemauerte spitzbogige Thüre ebenda
zwischen dem 1. und 2. Fenster von Osten her. Dem Portal gegenüber auf der
Südseite war früher ein Fenster (das neunte) eingebrochen, wie schon aus dem
weiten Zwischenraum zwischen den zwei noch vorhandenen hervorgeht und sich
weiterhin im Verputz ergiebt. Unter dem 2. Fenster von Osten ist eine zugemauerte
niedere Thüre. Die mittlere Wand des Chorhauptes hat ein dreigeteiltes Spitz-

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