Wörner, Ernst
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Rheinhessen: Kreis Worms — Darmstadt, 1887

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HOCHHEIM

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Masken mit ausdrucksvollen schmerzlichen Zügen, langem flatternden Bart und in

einen Knoten geknüpftem Haar. Rechts von der Thüre sind zwei, links drei Fenster.

Ein hoher und wirkungsvoll gegliederter Schornstein ragt aus dem Dache. Vor

dem Hause ein römischer Steinsarg als Trog. Er ist nach unten und nach dem Steinsarg

Fussende nicht verjüngt und zeigt vornen radialen Steinhieb in sehr charakteristischer

Weise. Bemerkenswert erscheint noch das fischgrätenartige Mauerwerk, welches in Fisch-

gr'ätenmauerwerk

der Mauer des Weinbergs erkennbar ist, der südlich vor der den Klostergarten
umschliessenden Mauer liegt. Wir werden hier Reste der alten Klostermauer vor
uns haben.

Ein Gerichtssiegel von 1694 zeigt ein auf einer Halbkugel stehendes Kreuz, Siegel
darüber die Jahrzahl und die Umschrift: HOCHHEIMER GERICHTSSIEGEL.

Im Jahr 1883 wurden in Hochheim auf einem Acker am Wege nach Neu- Funde
hausen zahlreiche römische Scherben und Ziegelstücke gefunden und im Herbst 1884
wurde ein fränkisches Gräberfeld oberhalb des jetzigen Friedhofs an der von
Worms nach Alzey führenden Römerstrasse aufgedeckt. Die Ausgrabung liess der
Geh. Kommerzienrat Dörr in Worms im Interesse des Wormser Altertumsvereins
vornehmen. Es wurden im ganzen 137 römische Grabstätten festgestellt, darunter
viele, die mehrere Leichen bargen. 58 von jenen 137 waren ganz zerstört. Von
drei römischen Steinsärgen enthielten zwei fränkische Bestattungen, der dritte
römische Krüge. Auch fanden sich auf der Schmalseite einer Platte eines fränkischen
Plattengrabes Reste einer römischen Inschrift. *) Die Einzelfunde mannigfaltiger
Art befinden sich im Paulusmuseum.

Litteratur. Ernst Wörner, Elend in Hochheim im 30 jährigen Krieg in dem Quartalb].
des hist. Vereins 1885 Nr. 4.

HOHEN-SÜLZEN

»FARRDORF, westlich von Worms; früher Sulza (1141), Horsultzen Allgemeines
(1266, 1359), Sulzen (1401), Niedersilzen (1793). Im Jahre 1141
erscheint Hohensülzen zum erstenmale; das Andreasstift in Worms
hatte einen Hof daselbst und ihm gehörte die Kirche. Der Ort
gehörte bis in die neuere Zeit zur Grafschaft Falkenstein.

Die Simultankirche ist in den Jahren 1792 bis 1812 erbaut. Sie besitzt Kirche
zwei Glocken, welche in Kapitälschrift die folgenden 2 Inschriften tragen: Es last

*) Weckerling, die röm. Abt. des Paulusmuseums, S. 37. Köhl in Westd. Zeitschr. IV. Heft 2, S. 206/7.
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