Wörner, Ernst
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Rheinhessen: Kreis Worms — Darmstadt, 1887

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KREIS WORMS

DORN-DÜRKHEIM

Allgemeines

FARRDORF, nordwestlich von Worms, westlich von Alsheim, früher
Durincheim (763), Thurincheim (766), Turingonheim (772), Dürk-
heim (966), Durinkeim (1091), Durendurckheim (1279) genannt.
Hier war im 8. Jahrhundert das Kloster Lorsch begütert. Auch das

Stift Fulda hatte späterhin daselbst Besitz. Als Inhaber der Vogtei erscheinen im
13. Jahrhundert die Bolanden. Zuletzt besass die Pfalz den Ort.
Evang. Kirche Die evangelische Pfarrkirche ist eine der mehr vorkommenden ungewölbten

Bauten der nachmittelaltrigen Zeit, welche in den Stilformen der gotischen Bau-
weise folgen. Die Dorndürkheimer Kirche beginnt sich aber schon in einzelnen
Fensteröffnungen von dem Spitzbogen zu trennen, während sie jedoch auch bei den
Rundbogen das Masswerk beibehält. Ueber dem Westportal steht auf dem geraden
oberen Sturz eines einfachen Doppelfensters: ANNO • DOMINI • 1 • 6 • 1 • 8 •, und uns
scheint nichts entgegenzustehen, das Schiff aus diesem Jahr zu datieren; der untere
Teil des viereckten unverjüngten Turms, welcher in der Mitte der Nordwand
der Kirche sich erhebt, scheint aus früherer Zeit zu stammen. Die Kirche, welche
Schiff jm Grundriss ein einfaches Rechteck ohne Chor bildet, hat zwei spitzbogige Portale,
je im Westen und Süden. Deren Profil zeigt in der Mitte den Rundstab, an den
sich durch Vermittlung von Fasen Hohlkehlen anschliessen; die Rundstäbe kreuzen
sich unter dem Spitzbogen; am Fusse stehen sie auf einem Wasserschlag auf. Das
Südportal zeigt mehrere Steinmetzzeichen und eine Rundmarke. Die Portale sind
flott in Haustein ausgeführt und entbehren nicht der Wirkung. Von den Fenstern
befinden sich zwei rundbogige von verschiedener Grösse und zwei spitzbogige, bei welchen
allen das Masswerk herausgeschlagen ist, an der Südseite, ein rundbogiges am
Chor und ein vierecktes, sowie ein spitzbogiges an der Nordseite. Letzteres,
östlich des Turms gelegen und jetzt vermauert, ist niederer und breiter, als die
Spitzbogenfenster der Südseite, und trägt spätgotisches Masswerk von guter Form. Im
Westen befindet sich ausser dem schon erwähnten Fenster über dem Portal noch
ein kleines rundbogiges zu dessen Seite.

Zwischen dem Turm und dem Masswerkfenster sieht man aussen die
Fundamente und den Sockel der abgerissenen Sakristei, in welche eine jetzt ver-
mauerte Thüre führte.

Turm Der untere Teil des Turms hat eine in späterer Zeit gebrochene Thür-

öffnung im Norden und einfache schlitzartige Fensteröffnungen. Ein weiteres Stück
mit zwei rundbogigen Fenstern mag mit dem Schiffe gleichaltrig sein. Der obere
Aufsatz mit dem Helm ist modern.
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