Wörner, Ernst
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Rheinhessen: Kreis Worms — Darmstadt, 1887

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HEPPENHEIM A. D. WIESE

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Das älteste datierte Haus liegt in der Hauptstrasse und hat am Thor zwischen Privatbauten
zwei Wappen die Jahrzahl 1607; an ihm ist noch ein schmiedeisernes Wirtsschild
aus dem 17. Jahrhundert angebracht. Im Hause Nr. 138 findet sich eine eigen-
tümliche Ornamentierung der steinernen Fenstergewände, eine Art Rosetten
beziehungsweise ein Schuppenmotiv wechselnd mit Spitzquäderchen.

Von der einst auf der südlichen Seite des Dorfs gelegenen Burg ist seit
einigen jähren auch die letzte Spur, ein kleiner Hügel, verschwunden.

Zu Ende der 1870er und Anfang der 1880er Jahre stiess man in der Funde
Nähe auf einen vorgeschichtlichen Begräbnisplatz. Die Beigaben der Leichen
bilden schön gearbeitete Thongefässe, Bronzegeräte, darunter eine Gewandnadel,
ein Gürtelhaken und der Griff eines eisernen Messerchens von besonders charakte-
ristischer Form, auch eine eiserne Gewandnadel, und sind in die Zeit vor der
römischen Okkupation, in die sog. La Tene-Periode und zwar in deren frühere
Zeit zu setzen. *) Funde aus den genannten Gräbern befinden sich im Paulus-
museum in Worms. Auch römische Objekte fanden sich schon in Heppenheim und
zwischen ihm und Horchheim sind fränkische Gräber zu Tage getreten. **)

HERRNSHEIM

ARKTFLECKEN, nordwestlich Worms, früher in Urkunden Harlesheim Allgemeines
(778), Herlesheim (1275), Herlissheim (1374), Hernssheim (1445),
auf einem Gerichtssiegel von 1658 Herlisheim genannt.

Im Jahr 778 erscheint Herrnsheim zuerst und zwar als Ort, wo das
Kloster Lorsch Besitz erwarb. Ursprünglich den Grafen von Leiningen gehörig, ging es
von diesen als Lehen an die Kämmerer von Worms gen. von Dalberg über, welche
im Weistum vom Jahre 1375 urkundlich zum erstenmale als Herren des Ortes
auftreten. In einem Lehnbrief von 141,5 belehnt sie Spanheim als Rechtsnachfolger
von Leiningen. Die Dalberg hatten nach dem Weistum sowohl die hohe wie die
niedere und die Dorf-Gerichtsbarkeit. Sie gehörten nachmals zur oberrheinischen
Ritterschaft und blieben Herrn des Orts bis zur französischen Revolution.

Die katholische Pfarrkirche, dem h. Petrus geweiht, ist ein stattlicher Bau Kathoi. Kirche

Allgeraeines

der spätgotischen Zeit, der, schon in seiner Gesamtanlage bemerkenswert, beson-
ders hervorragt durch die reiche Ausführung der Details und die grosse Zahl

*) Wormser Zeitung- j88i Nr. 303, 305, 307. Korr. Bl. der Westd. Zeitschr. I, S. 10.
**) Wormser Zeitung 1880 Nr. 98.
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