Wörner, Ernst
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Rheinhessen: Kreis Worms — Darmstadt, 1887

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MÖRSTADT

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Haupteingangsthüre und eine Nebenthüre, deren Profilierungen Formen der Barock-
zeit tragen. Die Sakristei schliesst sich im Norden an den Turm an.

Die dem h. Ägidius geweihte katholische Kirche, in den 1780er Jahren Kath. Kirche
erbaut, bildet ein Rechteck mit dreiseitigem Abschluss und drei Fenstern im Norden
und Süden. Ein achteckiger kleiner Dachreiter sitzt auf dem Dach hinter dem
Giebel auf.

Funde aus römischer Zeit befinden sich im Paulusmuseum in Worms. Der Funde
Wormser Altertumsverein liess an der westlichen Gemarkungsgrenze nach der
bayerischen Pfalz zu einen römischen Brunnen ausgraben, wobei eine Fibel und
verzierte Sigillatascherben gefunden wurden. Andere Objekte wurden in der Nähe
gefunden, eine römische Emailfibel im westlichen Teil der Gemarkung*).

MÖRSTADT

FARRDORF nordwestlich Worms, früher Merstadt (763), Meristat (774), Allgemeines
Mergestadt (1.257), Mergistat (1280), Mergsstatt (1496), Merstatt (1 787)
genannt. Der Ort und seine Vogtei gehörte zur Grafschaft Leiningen.
Im 15. Jahrhundert kam Mörstadt an die Pfalz.
Die evangelische Kirche hat einen in gotischen Bauformen aufgeführten Turm Kirche
mit sechsseitigem Helm auf vierseitigem Unterdach und ein an die Ostseite desselben
in der Spätzeit des vorigen Jahrhunderts in unverhältnissmässiger Höhe und Breite
angebautes Schiff. Die Erbauungszeit des Turmes ist bestimmt durch die an dem

Gesims eingehauene Jahrzahl Q^)(i5og). Damals wurde wohl eine ganz neue

Kirche gebaut, denn das Wormser Synodale von 1496 klagt über die Baufälligkeit
der Kirche, die so wenig im Stand war, dass der Regen hinein floss. Der Turm Turm
hat drei Stockwerke, die durch, aus einem Wasserschlag mit Unterschneidung
gebildete Gesimse getrennt sind und deren oberstes durch ein Kehlgesims abge-
schlossen wird. Letzteres Stockwerk hat im Westen und Norden je ein langes,
rundbogig geschlossenes, aus späterer Zeit als derjenigen der Erbauung herrührendes
Doppelfenster, im Süden ein vierecktes Fenster, dessen trennender Mittelpfosten
verschwunden ist. Der mittlere Stock hat im Norden ein schmales Spitzbogenfenster
mit zwei Nasen im Spitzbogen, im Süden ein kleines rechteckiges Fenster. Der
untere Stock bildet eine gewölbte Halle mit Rippen von einfacher Form, die in

*) Weckerling, die röm. Abt. des Paulusmuseums S. 36.
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