Wörner, Ernst
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Rheinhessen: Kreis Worms — Darmstadt, 1887

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EPPELSHEIM

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EPPELSHEIM

FARRDORF nordwestlich von Worms, früher Ebbelesheim (782), Ebblis- Allgemeines
heim (790), Eplensheym (1070), Epelensheim (125g), Eppilnsheim (1295),
Eppelsheim (1360), Eppalheim (1378) genannt. Als Dorf, in dem
gestiftete Güterstücke gelegen sind, wird Eppelsheim im Kodex des
Lorscher Klosters nur zweimal erwähnt, dagegen haben wir aus dem früheren
Mittelalter manche urkundliche Nachrichten über die Pfarrkirche, die schon 1070
bestand. Die Vogtei befand sich 1230 in den Händen des Werner IL von Bolanden,
der sie vom Graf von Dachsburg zu Lehen hatte. Im 14. Jahrhundert sehen wir
die Pfalz im Besitze der Vogtei von Eppelsheim; wie Widder berichtet, brachte sie
Pfalzgraf Ruprecht I. von Konrad von Hoheim an sich. Es waren noch im vorigen
Jahrhundert zahlreiche adlige Höfe, darunter der Dalberg'sche und der Bouchen- •'•

rödersche, auf die wir noch zurückkommen werden, in Eppelsheim.

In unserem Jahrhundert erlangte Eppelsheim eine gewisse Berühmtheit durch
die Funde vorweltlicher Tiere, die hier zu verschiedenen Malen gemacht wurden.

Die schon erwähnte, jetzt evangelische Pfarrkirche liegt innerhalb des rings mit Kirche
Mauern umschlossenen Friedhofs, der sicherlich in früherer Zeit Verteidigungs-
zwecken gedient hat. Auf den Friedhof führen zwei .Pforten, eine rundbogige mit
der Jahrzahl 1609 und eine solche mit der Jahrzahl 1727, die um einen. Schädel
mit gekreuzten Knochen eingemeiselt ist. Jene hat ein aus einer Hohlkehle mit
kleinem Wulst und Plättchen gebildetes Profil. Die Kirche ist ein rechteckiger
einschiffiger Bau des 17. Jahrhunderts und mag etwa in die Zeit, welche die ältere
Thüre andeutet, gehören. Sie ist an den älteren Turm angebaut, so dass ihre
Westmauer mit der Westmauer des Turmes in einer Flucht steht, während ihre
Nordwand mitten auf die Ostwand des Turms anstösst. Die Kirche hat vier Schiff
Fenster auf jeder Lang- und zwei solche auf der Westseite, zwischen welch letzteren
sich der Eingang befindet. Ueber demselben drei sogenannte Ochsenaugen im Giebel.
Eine flache Decke überspannt das Innere; im Osten liegt die von zwei sich nach
oben verjüngenden Holzsäulen im Stil der Zeit getragene Orgeltribüne. Der drei- Turm
stöckige Turm gehört verschiedenen Bauzeiten an. Die zwei unteren Stockwerke
sind gotisch; das untere war einst gewölbt, wie die Konsolen mit den Ansätzen
der Rippen in den Ecken beweisen. Das jetzt vermauerte spitzbogige, sehr schlanke
Portal, welches einst in die alte Kirche führte, ist noch in der Ostwand vorhanden.
Doch deuten die aus Platte und einer Abschrägung darunter bestehenden Kämpfer,
auf denen der Bogen aufsitzt, darauf hin, dass hier einst eine romanische Rund-
bogenthüre war. Auch äusserlich unterscheiden sich die zwei unteren Stockwerke
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