Wörner, Ernst
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Rheinhessen: Kreis Worms — Darmstadt, 1887

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KREIS WORMS

HANGEN-WEISHEIM

Allgemeines 'OTjf*7^$^,K \ I\ KI >< >R I*' , nordwestlich von Worms, früher Witzun (773), Wiszen-
^m£$^' he'm (I283)' Wissen il3ll)> Wishen (1341), *) Wissheym (1378),
^■y^l&y) Hangendten Weysheim (1496), Hangeweisheim (1780)**) genannt.
**^c@^->i Obwohl Hangenweisheim schon im Lorscher Kodex erwähnt wird,
haben wir gleichwohl keine urkundliche Nachricht über die politischen oder kirch-
lichen Verhältnisse vor dem Jahre 1283, in welchem Jahr der Abt von Ellwangen
seine Genehmigung dazu erteilt, dass der Ritter Conrad von Reichenbach und die
drei Söhne des Ritters Wernher Gauwero den Zehnten in Hangenweisheim, den
sie von ihm zu Lehen haben, an das Wormser Domkapitel verkaufen. 1306 erscheint
zum erstenmale die Johanniterkommende in Wissen, welche bis zu Ausgang des
Mittelalters bestand. Später war der Johanniterhof in Wissen zur Kommende
Sobernheim zugeteilt. Hangenweisheim gehörte zur Kurpfalz.

Pfarrkirche Die evangelische Pfarrkirche ist ein fiachgedeckter, rechteckiger Raum mit

einer nach drei Seiten eines Achtecks gebildeten Chorerweiterung nach Osten hin,
welche die grössere nördliche Hälfte der Ostseite einnimmt und ebenso wie das
Schiff keine Strebepfeiler aufweist. Der im Westen des Schiffes stehende alte Turm
ist etwas aus der Längenaxe des ersteren nach Norden verrückt. Die frühere
Teilung des gliederlosen Raumes in Chor, Mittelschiff, südliches Seitenschiff und
südöstliche Kapelle ist nicht mehr vorhanden, nur an der Nordseite lässt sich durch
einen nach aussen vorspringenden Maueransatz und darüber bis zum Dach sich
fortziehende Quadern die frühere Länge des Chores erkennen, welche zwei Fenster
umfasst. Bei den meisten der fünf spitzbogigen Chorfenster ist das Masswerk in
neuerer Zeit erneuert worden. Falls ein nördliches Seitenschiff je vorhanden war,
so ist dieses schon in früher Zeit beseitigt worden, wie ein Spitzbogenfenster der
Nordwand mit zwar modernem Masswerk, aber jedenfalls von älterer Anlage, be-
weist. Die zwei Fenster des ehemaligen südlichen Seitenschiffs haben auch neues
Masswerk, doch ist zwischen denselben noch das alte gotische Portal vorhanden.
Zwei Fenster der südöstlichen Kapelle sind noch mit dem alten Masswerk in der
Südwand der Kirche erhalten, ein grösseres, doppelt geteiltes und ein kleineres,
nur mit einem Dreipass versehenes; an jedem Fenster ein Steinmetzzeichen

. Wir haben hier ohne Zweifel die im Wormser Synodale

erwähnte Kapelle (ibidem a dextris altare St. Catharinae in capella confirmatum).
Ein Fenster in der Ostwand ist zugemauert.

*) Wegen des Nachweises , dass hier immer Hangenweisheim gemeint sei s. Wagner, Wüstungen von
Rheinhessen S. 190.

**) Im Westhofer luth. Kirchenbuch,
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