Wörner, Ernst
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Rheinhessen: Kreis Worms — Darmstadt, 1887

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HANGEN -WEISHEIM

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Das Dach über dem Schiff ist neueren Ursprungs und reicht bis zum Turm-
dach ; älter ist das Dach des Chores, welches an der Ostwand des Schiffs ansitzt.

Von Details ist noch zu erwähnen, dass das Südportal durch zwei Hohl-
kehlen profiliert ist, über denen im Spitzbogen eine Steinblume liegt, sowie dass
die runden Dienste, von denen in den Ecken des Chors früher die Gewölbe aus-
gingen, in ihrem oberen Teil und ihren zehn- resp. unten fünfseitigen Basamenten
noch erhalten sind. Ein im Chorpolygon eingemauerter Kopf scheint noch der
romanischen Zeit anzugehören. Der Chor ist 1434 erbaut laut folgender in
Minuskeln eingehauener Inschrift auf einer in der Nordwand eingelassenen Tafel:

anno • 6m • m • cccc • yyyiitt • feria • feyta ■ poft ■ feflu • fancti • urbani ■ pofttus • e • prim ■

lapis • fyut • d}ovi ■ per • ömu ■ jacobu ■ primiffariu • t}tc ■ i ■ ccla • conrabu • (mit •

jobannem ■ fdjeffer ■ et • pfyilippitm • juratt • fyui • ecdefte • qui • funt ■ pro • nunc •

Darunter ein Steinmetzzeichen, wohl Meisterzeichen. (Abb. s. S. 58).

Einer früheren Zeit, der romanischen, gehört der stattliche unverjüngte Turm
an. Im Innern hat er jetzt nur eine spätere Holztreppenanlage, und man betritt
ihn durch eine spätere rundbogige Thüre im Süden. Ausser dieser hat er keine
anderen Öffnungen als schmale, schlitzartige Fenster, deren Leibung sich nach

innen stark erweitert, und oben drei der Über-
gangszeit angehörige Kuppelfenster; doch ist
nur bei dem südlichen und westlichen die
Zwischensäule, welche die spitzbogig geschlossenen
Einzelfenster trennt, in ihrer Ursprünglichkeit
erhalten (Fig. 27). Der Turm ist in Bruchstein
aufgeführt, nur die unteren Teile der Ecken
haben Hausteine. Der Rokokozeit gehören die
Stuckdecke des Schiffs und die Orgeltribüne an.

Aussen an der Nordwand der Kirche ist
ein Stein mit der Grabschrift der 155,3 an der

Grabm'äler

Fig. 2"/. Hangen- Weisheim.
Fenster des Kirchturms.

Pest gestorbenen Frau des Amtsschreibers Bilden
zu Alzey eingelassen. Aussen am Chor stehen
zwei Grabsteine mit Inschriften, von denen die
eine (von 1793) sich auf einen Georg Burkhard
Kaibel bezieht, die andere dem Gedächtnis des
1797 gestorbenen reformierten Pfarrers Philipp
Daniel Gulden gewidmet ist.
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