Wörner, Ernst
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Rheinhessen: Kreis Worms — Darmstadt, 1887

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BLÖDESHEIM

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BLÖDESHEIM

FARRDORF, nordwestlich von Worms, westlich von Alzey; früher Allgemeines
Blitersheim (781), Blatmarsheim (782), Blettenesheim (1070), Blideines-
heim (1233), Blidemisheim (1253), Bleidinsheinn (1261), Blydersheim
(1292), Blidensheim (1304), Blyttersheimb (1324), Bledessheim (1362),
Blitersheim (1377), Biedesheim (1401). Nach den Erwähnungen im Lorscher
Codex, welche Schenkungen an das Kloster Lorsch konstatieren, kommt Blödesheim
zuerst im Jahr 1070 vor. Die daselbst gelegene Kapelle gehört zu dem Allod in
Eppelsheim, welches der Freie Gerand der Salvatorische in Metz schenkte. (S. u.).
Im Jahr 1231 erscheint die Kapelle als Kirche, auch 1304, in welchem Jahre der
Ritter Eberhard von Geispesheim von Ober-Ingelheim das Patronatrecht an das
Kloster Eberbach schenkt. Doch 1316 in der Bestätigung dieser Schenkung ist
von einer capella seu ecclesia die Rede. 1343 wurde sie mit dem Kloster uniert,
während seither das Kloster dort einen Geistlichen halten musste. Warum 1438
die Kapelle als S. Sebastian-Kap eile erscheint, während sie im Wormser Synodale
von 1496 als eine dem h. Laurentius geweihte Pfarrkirche auftritt, vermögen
wir nicht festzustellen. Im Jahre 1438 wurde sie der Pfarrei Hahnheim inkor-
poriert. Die politischen Verhältnisse des Orts gingen eigene Wege; einen Teil
besassen die Rheingrafen, welche ihn an das Stift Pfaffenschwabenheim 1412 zu
einem ewigen Kauf gaben. Aber schon 1401 verleiht K. Ruprecht von der Pfalz
das Dorf dem Hans von Rossheim. Später war das Ganze pfälzisch.

Der Turm der evangelischen Pfarrkirche erinnert noch an die Frühzeit, Turm der Kirche
in welcher die Kapelle Blödesheim erscheint. Der viereckte unverjüngte Bau hat
in der Höhe nach Norden und Süden je ein romanisches Kuppelfenster; das östliche
Fenster ist jetzt ganz verändert und von aussen durch das Zifferblatt der Uhr
verdeckt, das westliche ist von neuerer Konstruktion und führt jetzt auf den Kirchen-
speicher. Die rundbogigen Kuppelfenster sind durch einen viereckten, nach aussen
und innen im Kreisbogen ausladenden Pfeiler geteilt. Ueber dem nördlichen
sieht man noch den Rest eines trümmerhaften Steinsimses aus der Mauer hervor-
stehen, dessen Profil sich ergiebt, wenn man es zu einer nach unten abgeschrägten
Platte ergänzt, und welches die Höhe des alten romanischen Turms andeutet;
später wurde er erhöht und erhielt den jetzigen Helm, dessen Hahn auf das vorige
Jahrhundert hindeutet. Spuren von Gewölben zeigt der Turm nicht.

Von der Turmhalle führt eine Spitzbogenthüre in das Schiff, welche flach Schiff
mit Kehle und Rundstab profiliert ist und an der Platte, aus der diese Gliederungen
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