Wörner, Ernst
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Rheinhessen: Kreis Worms — Darmstadt, 1887

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KREIS WORMS

zwei schon ganz stillosen verschlungenen Wülsten; an einem weiteren ist das Bogen-
feld einfach durch den bis zum Scheitel der Spitzbogen hinaufgeführten Mittelpfosten
geteilt. Die Fensterabteilungen sind teils im Rund-, teils im Spitzbogen geschlossen
und diese nasenbesetzt,
inneres Im hinern ist der Altarraum nur durch die Erhöhung von einigen Stufen

vor der übrigen Kirche ausgezeichnet. An den drei andern Seiten umzieht eine
auf Holzpfosten ruhende, wohl mit der Erbauung gleichzeitige Holzgalerie das
Innere. An einer der Säulen steht, ohne Zweifel später eingeritzt, die Jahrzahl 1724
und darunter DEN • II • MERTZ, an einer andern ist eine rosettenartige Einritzung
mit der Jahrzahl 1797.

Krypta Unter dem Schiff der Kirche befindet sich eine bei der jüngsten Restauration

zugemauerte und nicht zugängliche Krypta. Dieselbe soll*) eine quadratische
Grundform von je 5,25 m Seitenlänge haben und befindet sich unter dem süd-
östlichen Teile des 10,66 m breiten Schiffs, welches jedoch beträchtlich breiter ist,
als das frühere mittelaltrige. Die Krypta erscheint, als eine 2,80 m hohe, vier-
schiffige Anlage; jedes Schiff hat vier mit Kreuzgewölben überwölbte Joche. Die
Gurtbogen ruhen teils auf Wandpfeilern teils auf freistehenden Rundpfeilern. Nicht
mehr festzustellen ist, ob die Gurtbogen rund oder spitz sind, doch ist das erstere
wahrscheinlich und wird die ganze Anlage dem romanischen Stil angehören. Die
Pfeiler sollen attische Basen und Kapitelle gehabt haben, die aus einem Wulst
mit darauf folgendem Karnies und einer Platte bestehen. Wir dürfen gewiss in der
Krypta eine mit dem Turm gleichzeitige Anlage erkennen, aus der sich zugleich
die Breite des romanischen Chors, der über ihr lag, ergiebt. Sie wird erwähnt im
Wormser Synodale von 1496 und hatte damals einen dem h. Nikolaus geweihten Altar.

Grabmai In der Nordwand der Kirche befindet sich das Wandepitaph des 1726

verstorbenen pfälzischen Kellers Müller.

Glocke Die grössere alte Glocke stammt aus dem Jahre 1463. Sie ist mit Reliefs

geziert und trägt in Minuskeln an dem Halse die Inschrift, zwischen deren Worten
Reliefs angebracht sind. Die Inschrift lautet: f ntarcfDS avc t mariü t Smda f
plena f bomhtus f tecDm t m t cccc f Irin. Vor dem Wort „marcrW ist ein
Adler, nach demselben ein Engel mit Spruchband dargestellt. Mitten auf dem
Körper der Glocke ist die Reliefdarstellung der Jungfrau mit dem Kind. Da
die Kirche Petrus geweiht war, so muss schon deshalb die Glocke ursprünglich
für ein anderes Kirchengebäude bestimmt gewesen sein. Sie kann sogar erst nach
dem dreissigjährigen Krieg an ihre Stelle gekommen- sein, denn von den 2 Glocken,
welche die Gemeinde zu Beginn des Kriegs besass, wurde nach dem Protokollbuch
im Staatsarchiv die grosse 1644 aus Not verkauft, die kleine 1635 von Soldaten
entwendet.

Privatbau Die einstöckige neben der katholischen Kirche gelegene frühere Amtsschaffner ei

(jetzt Wirtschaftsgebäude zum Römergarten) ist eine malerische Anlage des Barock,
laut der Jahrzahl an der Kellerthüre 1728 errichtet. An den vorderen Ecken
springen mit Kapitellen versehene Wandpfeiler vor; die Thüre ist geschmackvoll
bekrönt und zeigt an den seitlichen Gewänden zwei männliche in Stein gearbeitete

*) Nach Mitteilungen von Kreistechniker Wallbott in Worms.
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