Wörner, Ernst
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Rheinhessen: Kreis Worms — Darmstadt, 1887

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LEISELHEIM

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profiliert sind. In der Höhe und zwar auf der Ostseite und Westseite, bei jener
ziemlich in der Mitte, bei dieser nahe der Ecke ist je eine Schiessscharte. Dieselben
haben die Form von Schlüsselscharten mit einer Erweiterung nach unten hin. Der
Turm hat in den 1860er Jahren eine Erhöhung und einen neuen Helm erhalten.
Die alte Kirche war dem h. Petrus geweiht und gewiss an den Turm in anderer
Weise, wie die jetzige, angebaut, nemlich an die Westseite, wie sich aus den
Scharten ergiebt.

Gegenüber dem mit der Ziffer 1591 datierten Rathaus ein Haus mit geschnitzter Wohnhaus
Fensterumrahmung. In das Holz ist neben dem Zeichen eines Rads, dem Zeichen
und den Buchstaben I S M M B S C die Jahrzahl 1683 eingeschnitten. Unweit
davon befindet sich ein jetzt vollständig zu Wohnungen eingerichteter Steinturm Wohnturm
mit hohem, ziegelgedeckten Walmdache. Die Ecken sind in Hausteinen aufgemauert,
die Wände bestehen sonst aus Bruchsteinen. Die Grundfläche ist nicht quadratisch,
sondern zwei Seiten sind kürzer, welchen dann die Walmflächen des Dachs
entsprechen. Nahe der Ecke, die der Ortsstrasse zunächst ist, unter dem Ansatz
des Dachs befindet sich eine Schlüsselscharte. Den Turm umgiebt auf 3 Seiten
ein Garten, der mit einer alten Mauer abgeschlossen ist und sicher in den Bereich
der Befestigung gehörte. Das Innere bietet nichts altertümliches mehr. Im 14. Jahr-
hundert wurde der Turm zweimal von den Wormsern gebrochen.

LEISELHEIM

u3l/Tfk ILIALDORF westlich von Worms, früher Luzelheim (1196), Lucilnheim
c^y^s (ca. 1200), Lussenheim (1234), Leiselheim (1276), Lutzilheim (1289),
rÜKl Luczelheim (1315), Luschilheim (1328), Leiselheim (1336), Luszeln-
heim (1349), Lusselnheim (1376), Leuselheim (1562).

Die evangelische Kirche ist 1716 gebaut, sie ist ein dreiseitig geschlossener
einschiffiger Raum, mit je 2 Fenstern an der Nord- und Südwand und je 1 auf
jeder Seite des Chors. Auf dem Dach ein Türmchen mit Glockendach.

Das Rathaus ist ein zweistöckiger Bau, der untere Stock aus Hausteinen, der
obere aus Fachwerk errichtet. Bis vor kurzem war es mit einem Walmdach bedeckt,
welches leider entfernt und durch ein Satteldach ersetzt wurde. An der Vorderseite,
welche gleich der Rückseite schmäler ist, wie die beiden anderen Seiten, führt eine
rundbogige Thüre in den unteren Stock. An einer Eckquader ersieht man das
Erbauungsjahr aus der daselbst eingehauenen Ziffer 1548. Auf der Rückseite führt
neben einer rundbogigen Thüre eine mit geradem Sturz geschlossene in das
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