Wörner, Ernst
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Rheinhessen: Kreis Worms — Darmstadt, 1887

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124 KREIS WORMS

Fig- 55- Pfeddersheim. Bürgerturin.

ist dies der höchste Punkt der Befestigung und zugleich derjenige, wo der Berg
sehr nahe an den Graben herantritt; darum finden wir die Befestigung besonders
verstärkt, durch zwei runde Halbtürme nach dem Johannisturm zu und durch drei
solche zwischen dem mittleren Turm und dem Sprenger. Ausserdem tritt die
Kirche mit ihrem einst ohne Zweifel auch befestigten Turm in dieser Gegend sehr
nahe an die Stadtmauer heran und verstärkt deren Verteidigungsfähigkeit. Die
ganze Anlage mit den Türmen, der durch schmale Schlitzscharten unterbrochenen Mauer,
welche sich gegen die Ecke zu wieder mehr erhebt, dem tiefen grünen Graben und
den über das Ganze aufragenden blauen Höhen der Pfälzer Berge gewährt einen
sehr malerischen Eindruck. Der Turm Sprenger, gleichfalls dachlos, ist mit dem
Rundbogenfries umgeben und im Innern bewohnbar. Wie auch anderwärts sehen
wir an ihm nach unten erweiterte Scharten von verschiedener Form. Zwischen
ihm und dem Südwesteck ist von der Mauer und vom Graben nicht vieles erhalten,
ein runder Halbturm steht noch etwa in der Mitte dieser Seite mit Bogenfries und
einer Schlitz- und einer Schlüsselscharte. Neben ihm steht noch ein kleines Mauer-
stück mit Spuren eines abgebrochenen Wehrgangs.

Begehen wir auf der Südseite die Befestigung, so fällt uns die Abwesenheit
jeder Grabenanlage auf ; an eine spätere Aulfüllung ist hier an so tief gelegenem
Orte nicht zu denken. In einer Entfernung von wenigen Schritten geht das Haupt-
bett der Pfrimm an der ganzen Südseite her, dieses in Verbindung mit ringsum
sumpfigem Terrain mag den Graben ersetzt haben. Die Mauern sind im west-
lichen Teil der Südseite fast nur als Bestandteile der daran gebauten Häuser
erhalten, ebenso ein runder Halbturm nahe der Südwestecke. Schön erhalten ist
der runde Bürger- oder Neue Turm (f), ein unten noch bewohnter Rundturm
(Fig. 55). Er ist von Schwalbenschwanzwimpergen bekrönt, die sich auf Rundbogen
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