Wörner, Ernst
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Rheinhessen: Kreis Worms — Darmstadt, 1887

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KREIS WORMS

bildliche Darstellung, dagegen mit einer Umrahmung von Bandverschlingungen und
Pflanzenornament versehen.

Von diesem Portal stammen die
beistehenden Steinmetzzeichen,

Von den weiteren Portalen und Thüren des Doms haben wir schon in
anderem Zusammenhange gesprochen oder noch zu reden.
Altäre Von den Altären des Doms steht an Kunstwert obenan derjenige in der

Altar m der Ostwand der St. Georgskafielle (Fig. 8g), ein vortreffliches Werk aus der guten

Georgskapelle J: ■ 5

Zeit der Renaissance, errichtet von Bischof Georg von Schöneburg (1580—'595),
dessen allerdings erst später angebrachtes Wappen den Aufsatz krönt. Das an
den Seiten je einmal angebrachte Wappen des 1757 gestorbenen Dekans von Hohen-
feldt deutet auf eine Reparatur oder Wiederherstellung durch diesen, und aller-
dings erscheint der Aufsatz den Kunstformen nach als der Rokokozeit angehörig.
Der aus sehr festem Stuck gefertigte, jetzt ganz neu bemalte Altar zeigt in der
Mitte zwischen einer Stellung von jonischen Säulen, um deren Schaft im unteren
Teil figürliche Reliefs herumziehen, die Darstellung der Auferstehung in Hochrelief
und zu deren Seiten in Nischen die Evangelisten Matthäus und Lukas freistehend.
Darüber St. Georg den Drachen tötend, eine vollrunde Darstellung von ebenso
guter Auffassung wie Ausführung hinsichtlich des Heiligen, seines Pferdes und des
Drachen, wie allen Beiwerks, zu beiden Seiten wieder in Nischen zwischen korin-
thischen Säulen die Evangelisten St. Lukas und St. Johannes.
Hochaltar Die übrigen Altäre des Doms gehören meist der Rokokozeit an. Vor allem

der ausweislich des an ihm angebrachten Wappens von Bischof Franz Ludwig von
Pfalz-Neuburg (1694—1752) errichtete Hochaltar im Ostchor. Franz Ludwig,
dessen prunkvolles Grabmal sich im Westchor erhebt, war, wie wir schon gesehen
haben, eifrig in Ausschmückung' des Doms. Er vereinigte in seiner Person eine
ungemeine Anzahl von Würden, er war Bischof von Breslau (1683), Propst von
Ellwangen (1694), Bischof von Worms, Deutschordensmeister (1694), Coadjutor von
Mainz 1710, Kurfürst von Trier (1716), von Mainz (172g). Da das durch das
Ordenskreuz in vier Hauptteile zerlegte Wappen alle den genannten Stellungen
entsprechende Wappen und namentlich auch in der Mitte über dem Ordenskreuz
das Mainzer Rad als Schild auf der Brust des Deutschordensadlers zeigt, so wird
anzunehmen sein, dass der Altar in den letzten Lebensjahren des Stifters vollendet
wurde. Es ist ein mächtiger Säulenaufbau von einheimischem Marmor; vier grosse
Säulen mit korinthischen Kapitellen und auf hohen Postamenten und zwei kleinere
hinter dem Altartisch stehende tragen isolierte Gebälkestücke, auf denen sich ein
marmorner, allenthalben in Vergoldung prangender Baldachin, der voll Putten wimmelt
in eine Krone ausgeht, erhebt. Zwischen den zwei inneren grossen Säulen ist der Altar-
tisch , zwischen diesen und den äusseren stehen die überlebensgrossen vergoldeten
Statuen der Apostel Petrus mit dem Hahn neben sich und Paulus mit dem Schwert;
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