Wörner, Ernst
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Rheinhessen: Kreis Worms — Darmstadt, 1887

Page: 287
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kdgh_worms/0319
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
WORMS

SAMMLUNGEN

287

Worms besitzt eine ÖFFENTLICHE SAMMLUNG in dem Paulusmuseum, öffentliche

Sammlung.

Im Jahre 1881 würde durch den Major von Heyl und dessen Gemahlin Dorothea Paulusmuseum
dieses Museum in der Paulskirche und dem oberen Stockwerke des mit der Kirche
verbundenen Kreuzgangs begründet. Dasselbe nahm einen raschen und glücklichen
Aufschwung und hat sich zu einer hervorragenden Anstalt entwickelt, welche nament-
lich auf dem Gebiete der römischen und fränkischen Epoche den anderen grossen
rheinischen Sammlungen würdig zur Seite steht. Das Museum bewahrt auch einige
bedeutendere Privatsammlungen und Privaten gehörige Einzelfunde und zerfällt in
zwei Hauptabteilungen, die archäologische, welche die Objekte der prähistorischen
Zeit im engeren Sinne, der römischen und fränkischen Zeit umfasst, und in die
mittelaltrige und neuere Abteilung, welche Gegenstände aus dem Mittelalter, der
Renaissance und der folgenden Epochen aufbewahrt.

Von einem Teil der archäologischen Abteilung, von den Funden, welche
innerhalb des Kreises Worms gemacht wurden, bemerkenswert sind und in das
Paulusmuseum übergingen, haben wir zum Teil schon in der Übersicht zur Geschichte
von Worms und bei den einzelnen Orten gehandelt. Zum Teil werden wir darauf
noch bei Besprechung der in Worms selbst gemachten Funde zurückkommen. Es
ist nicht Aufgabe dieses Buchs, auf diesen Inhalt der Sammlung weiter einzugehen.
Ebenso haben wir die mittelaltrigen und späteren Gegenstände der Kunst und des
Kunsthandwerks (an Möbeln, Geräten, Kostümen etc.) nicht einzeln zu betrachten.
Soweit solche mit unserer Aufgabe zugewiesenen Bauten in Beziehung stehen, haben
wir an den betreffenden Orten davon gesprochen, ebenso von den Grenzsteinen.
Das Museum enthält auch noch sonstige alten Bauten entnommene Teile (Portale,
Wappen etc.) Wir erwähnen weiter eines einst der alten Stadtmauer angehörenden
Steins mit dem Wormser Wappen, der die Jahrzahl 1667 trägt und sich an einer
Brücke über den Eisbach befand, von wo er später in das Stadthaus kam.

Ein Altarflüeclbild aus dem Beginn des Jahrhunderts, welches der Aitarflügeibiid

J ■ o ° 0 J aus dem Dom

Domkirche gehört, aber im Museum aufgestellt ist, verdient hier noch eine
besondere Betrachtung. Der eine Flügel stellt auf der Vorderseite die stehende
Figur des h. Petrus, auf der Rückseite den h. Stephanus (Fig. 141), das andere
auf der Vorderseite den h. Paulus stehend und auf der Rückseite einen Bischof
dar, der wie der h. Stephanus in einem Rundbogen steht, in welchen ein
Kleeblattbogen eingesetzt ist. Die Darstellungen sind auf über das Holz der
Flügel gespannte Leinwand gemalt; ein vorstehender, von der Leinwand gleichfalls
überzogener, gemalter Rahmen umgiebt die innere, die figürliche Darstellung ent-
haltende Fläche. Die Figuren heben sich auf einem Goldgrund ab, der bei
Petrus und Paulus mit erhaben vorstehenden, geometrisch angeordneten Kreisen
und Rauten erfüllt, dagegen bei den beiden andern glatt ist. Der Kopf von Petrus
loading ...