Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,4): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Mosbach und Eberbach — Tübingen [u.a.], 1906

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KREIS MOSBACH.

Ritterstift Wimpfen verkaufte. Später besass es Conrad von Weinsberg, bis es
1449 Hans von Gemmingen zugleich mit dem Guttenberg envarb, bei dessen
Familie, es zum Ritterkanton Kraichgau gehörig, bis 1806 geblieben ist. 1622 und
1635 litt der Ort viel durch feindliche Kriegsvölker, 1797 durch die Franzosen. (Br.J
Prähistorisches Prähistorisches: 1898 stiess man 18 m von der Strasse nach Heinsheim und

120 m von der Einmündung des sogen. Judenwegs in dieselbe beim Pflügen auf vier
alemannische oder fränkische Steinplattengräber, denen ein Eisenschwert
und farbige Thonperlen entnommen werden konnten. In der Nähe kamen dann Gräber
aus der Bronzezeit zum Vorschein, deren Inhalt: Messer und Schmuckstücke von
Bronze und Topfscherben durch die Güte des Freiherrn von Gemmingen in die Grossh.
Staatssammlung nach Karlsruhe gelangten.
Römisches Römisches: Südlich vom Ort, in den »Bergackern« stiess man bei Grabungen

schon 1848 bis 1850 auf römische Gebäudereste. Es fanden sich rechteckige
Heizröhren von Thon (jetzt in der Grossh. Sammlung in Karlsruhe, Nr. C. 15) und
»viel Eisen«. An einem Haussockel waren die Aussenwände noch gut verspeist und
mit rothen Strichen bemalt. 1883 stiess man auf weitere gut erhaltene Fundamente von
einem grösseren, in viele kleine Räume eingetheilten Bau mit Sickerdohle im Untergrund
(Fragebogen n. 1883). Prof. Schumacher Hess anlässlich der Limes-Arbeiten dort
2 bis 3 Tage graben und überzeugte sich sicher vom römischen Charakter der sehr aus-
gedehnten Ansiedelung; es sind mehrere Einzelgebäude, auf ziemliche Entfernung hin
zerstreut, in deren Nähe ohne Zweifel eine römische Strasse vorbeiführt. Für die
Annahme einer militärischen Station ergaben sich zunächst keine andern Anhaltspunkte,
als dass ein Stempel der XXII. Legion dort gefunden wurde (Heidelberger Jahrb. 1872,
pag. 263). (W.)
Pfarrkirche Die evang. Pfarrkirche, oberhalb des Ortes auf halber Höhe des Berges, der Burg

Guttenberg trägt, gelegen, ist ein kleiner gothischer Bau, der i. J. 1900 einer völligen
Erneuerung im Innern und Aeussern unterzogen worden ist. Seine Entstehungszeit giebt
die Jahreszahl lj^/\l (1471) am Scheitel des Triumphbogens an, während die über dem
Hauptportal in der Giebelseite angebrachte Jahreszahl 150J (1501) sich auf die Ver-
längerung des Schiffs um 3,50 m bezieht, die zu dieser Zeit vorgenommen worden ist.
(Stocker hat fälschlich »1301« gelesen.) Vor der Restauration war der Ansatz des
Jüngern an das ältere Mauerwerk deutlich zu sehen; jetzt sind auch diese Stellen überputzt.
Es handelt sich somit um eine Gründung Hans des Reichen von Gemmingen,
des dritten Sohnes Dieters IV. und der Else von Frankenstein, der am Dienstag
nach S. Andreastag 1449 die Burg Guttenberg sammt dem Orte Neckarmühlbach von
Conrad von Weinsberg käuflich erworben hatte und seit 1452 von Worms zu Lehen trug,
während die Vergrösserung unter dessen Sohn und Nachfolger Pleikard erfolgt ist. Dass
auch dessen Sohn und Nachfolger Dietrich sich um die weitere Ausstattung des Gottes-
hauses verdient gemacht hat, beweist das Vorkommen des Gemmingen'schen und Nippen-
burg'schen Wappens am Schlussstein des Kreuzgewölbes im nördlichen Tabernakel neben
dem Triumphbogen (s. unten das Epitaph des Dietrich von Gemmingen und der Ursula
von Nippenburg). Weitere An- oder Umbauten sind zur Zeit, d. h. nach erfolgter Restau-
ration des Gotteshauses nicht mehr erkennbar. Eine capella S. Nicolai sub castro Gudenbcrg
iuxta Mulenbach wird bereits z. J. 1296 urkundlich erwähnt. Ob und wie beim Neubau
Hans des Reichen die alte Kapelle benutzt worden ist, entzieht sich unserer Kenntniss.
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