Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,4): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Mosbach und Eberbach — Tübingen [u.a.], 1906

Page: 166
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kdm4bd4/0189
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
l66 KREIS MOSBACH.

kaiserlicher Soldat mit einem Fausthammer durch seine Blätter führte. Viel schlimmer
als "alle Bedrückungen waren aber die Seuchen, die von den Truppen eingeschleppt
wurden oder sich in Folge von Entbehrungen entwickelten. So starben allein in neun
Monaten des J. 1635 nicht weniger als 712 Personen; das war reichlich die Hälfte der
damals ohnehin schon reduzirten Bevölkerung. Ueberhaupt war das genannte Jahr wohl
das schlimmste: die Gemeindeverwaltung ruhte völlig, man dachte nicht einmal daran,
Bürgermeister zu wählen und der Pfarrer und der Stadtschreiber waren entwichen.

Eine Erholung war für die Stadt natürlich nicht möglich, ehe der Frieden kam,
und auch dann gings langsam. Die Gemeindeverwaltung wurde wieder in Ordnung
gebracht, die seit Jahren verwaiste reformirte Pfarrei wurde wieder besetzt, die beinahe
oder ganz eingeschlafene Schule wieder belebt, aber es war keine leichte Aufgabe, in
die völlig verwilderte Bevölkerung wieder Ordnung zu bringen, und allzu scharfe Mass-
regeln zeitigten oft das Gegentheil des erwünschten Erfolges.

Eine solche Zeit war natürlich auch für die Erhaltung der letzten Reste der
Gemeindeautonomie nicht günstig. Uneinigkeiten zwischen Rath und Bürgerschaft gaben
der Landesherrschaft in wachsendem Masse Gelegenheit, ihre Autorität in allen Dingen
geltend zu machen, und das war um so leichter, als nunmehr in der Regel die Funktionen
des Schultheissen und Centgrafen dem Keller übertragen waren und somit alle Fäden in
einer Hand lagen.

Die Kriegsereignisse der nächsten 40 Jahre nach dem westfälischen Frieden
brachten der Stadt zwar mancherlei Lasten; aber was dann der Orleans'sche Erbfolge-
krieg brachte, das überbot sie weit. Gleich zu Anfang — November 1688 — plünderten
die Franzosen die Stadt — Rathhaus, Kirchen und Privathäuser — gründlich aus und
setzten den Rath gefangen, bis überdies noch eine namhafte Contribution aufgebracht
war. Danach blieben sie noch 50 Tage im Quartier und von hier ab löste eine Ein-
quartierung und Contribution die andere ab bis zum Ende des Krieges.

Das Verhältniss der Stadt zur Landesherrschaft verschlechterte sich sehr unter der
katholischen Neuburger Linie Im Jahre 1688 hatte sich unter dem Schutze des Amts-
kellers wieder eine kleine kath. Gemeinde in der Stadt gebildet, die bald mit Ansprüchen
an die Kirchengebäude hervortrat. Dass zufolge der Religionsdeclaration von 1705 den
Katholiken die Friedhofkirche, den Reformirten die Stadtkirche zugesprochen wurde,
beendete den Streit nicht, sondern lenkte ihn nur auf das Gebiet der Pfarreinkünfte,
des Almosens und der Schule. Der Streit um das Schulhaus führte 1708 sogar zu einem
Aufruhr und wurde erst nach Jahren durch einen Vergleich erledigt. Bei allen diesen
und vielen andern Gelegenheiten vermochte der seiner Rechte fast völlig entkleidete
Rath gegen die rücksichtslos geübte Willkür der kurpfälzischen Beamten nicht auf-
zukommen.

Von den Kriegen des XVIII. Jhs. sei nur gesagt, dass sie der Stadt stets neue
Schulden verursachten, ehe die alten gedeckt waren, und dass der Schluss des Jahr-
hunderts noch einmal eine regelrechte Plünderung durch die Franzosen brachte, vor
denen sich die kleine pfälzische Besatzung rechtzeitig aus dem Staube gemacht hatte.
Unter den sonstigen Vorgängen des XVIII. Jhs. verdient noch die Loslösung der 4 Weiler
aus dem ohnehin schon gelockerten Gemarkungsverbande erwähnt zu werden. Es
mag gleich hinzugefügt werden, dass Neckarwimmersbach i. J. 1900 wieder einverleibt
wurde.
loading ...