Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Hrsg.]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 49.1898-1899

Seite: 175
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Noderne Nunstbestrebungen in Wien.

256. Schmiedeiserner tsandleuchter;

Entwurf von N)eddig, Worms.

thuenden Talente, das Gute, Verdienstvolle ihrer
Wirksamkeit wohl zu schätzen. Aber wir können
ernste, aus tiefwurzelnden Gegensätzen der künst-
lerischen Anschauungen aufsteigende Bedenken nicht
unterdrücken, wenn wir sehen und hören müssen, daß
einzelire Persönlichkeiten und Parteien mit diktatorischer
Gewalt in den Gang der Entwicklung einzugreifen
suchen, daß dabei nicht klares, zielbewußtes wollen,
vorsichtiges, die tieferliegeitden Bedingungen sorglich
in Rechnung ziehendes Abwägen, sondern ein an
inneren Widersprüchen leidendes Programm und
genialisch sich gebärdende Laune die Richtung angeben.
Die Wiener Sezessionisten haben ihrer neuen Zeit-
schrift den hochklingenden Namen »Ver sacrum«
vorgesetzt, und sie nennen ihre Beiträge zu dieser
Zeitschrift „Mpfergaben, die sie auf den Altar des
heiligen Frühlings niederlegen". Bei so hohen:
Flug der Begeisterung werden sie es vielleicht auch
begreifen können, daß Andere, die, wenngleich stiller,
auch an einen Frühling der Aunst glauben, von
einem „heiligen Zorn" erfaßt werden können, wenn
sie unter den noch spärlich blüheitden Bäumen vor
dem hehren Götterbild manch' einen vom Gpserwein
berauschten Priester in recht unheiligen Sprüngen sich
ergehen sehen. Verwirrung des Volkes und falsche
Propheten haben wir wahrlich genug! wer der

Göttin recht dienen will, der erstrebe vor Allem das
Eine: Alarheit zur Erkenntniß des wahren. Um
diesen Preis dünkt uns auch ein Streit vor des
Tempels Pforte nicht als eine Sünde, sondern als
eine heilige Pflicht.

Meine (Nachrichten.

(Vereine, (Museen, Schuten, -Ausstattungen,
(WettKewerKe gc.

er Ausschuß für Runst im Handwerk zu München
veröffentlichte kürzlich seinen ersten Jahresbericht.
Derselbe verbreitet sich zunächst über die Anregungen,
die sein Vorgehen in Bezug auf das Erstarken und
pervorwagen des „modernen Aunsthandwerks" ge-
geben, und bespricht dann die unfern Lesern be-
kannten Ausstellungsverhältnisse des Vorjahres, wo-
bei er mit den Worten schließt: „Nur auf voller

Bewegungsfreiheit und rückhaltloser Anerkennung
und Würdigung der Leistungen Aller dürfte eine
fortschreitende Ausstellungskunst zu begründen sein",
ein Grundsatz, dem auch wir vollkommen beipflichten.
Ueber die Entwickelung der „Vereinigten Werkstätten"
erfahren wir aus dem Bericht, daß der Ausschuß
die Iurirung aller von den „V. W.“ auszuführenden
Entwürfe als praktisch nicht durchführbar aufgegeben

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