Meier-Graefe, Julius
Pyramide und Tempel: Notizen während einer Reise nach Ägypten, Palästina, Griechenland und Stambul — Berlin, 1927

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DAS ROTE HÄUSCHEN

Wir waren mit ein paar eingeborenen Intellektuellen
zusammen; sympathische, stille Menschen, die für keine
Schlagworte, auch nicht für die patentierte Feindschaft
gegen England zu haben sind und Zaghlul die Gefolgschaft
verweigern. Es scheint eine kleine, sozial eingestellte
Gruppe zu geben mit besten Absichten und ohne Wir-
kung. Man konnte über alles mit ihnen reden. Nur als
wir auf die Pyramiden von Gize kamen, versagten sie und
behalfen sich mit Redensarten.

In Paris, wo es alles gibt, existiert auch eine Literatur
moderner Ägypter. Wir haben mit Genuß zwei ihrer Ro-
mane gelesen. Der eine, der bekannte „Goha“, wurde von
Octave Mirbeau patroniert, der ihm mit Recht die
Gültigkeit der Gestalt nachrühmt. Eine eindringliche
Szene, wenn sich der abergläubische Idiot an einer Isis-
statue, die er für lebendig hält und von der er sich bedroht
fühlt, vergreift. Der andere Roman, mir fast lieber als der
„Goha“, ist der „Mansour“ von Eonjean und Achmed Deif.
Reide spielen in Kairo zwischen Moschee und Harem und
illustrieren den Islam. Enthielten sie das, was ich suchte,
wären sie vermutlich keine Literatur.

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