Meier-Graefe, Julius
Pyramide und Tempel: Notizen während einer Reise nach Ägypten, Palästina, Griechenland und Stambul — Berlin, 1927

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DURCH DEN PELOPONNES

Wir sind hierher ausgerissen und bereuen es nicht. Mö-
gen die Säulen der Griechen sein, wie sie wollen, und die
Torsos und die Köpfe und die Zöpfe, mag das alles ver-
sagen, immer bleibt das Land eine unbestreitbare Tat-
sache und ein Gnadengeschenk. Wir waren vorher ver-
bohrt genug, immer nur an die Antike, nie an Griechen-
land zu denken, und natürlich mußte diese Ideologie be-
straft werden. Die Griechen selbst denken gesünder. Sie
lieben ihr Land. Es gibt keine fanatischere Anhänglich-
keit an heimatlichen Boden. Sie leben zu Hunderttausen-
den in allen möglichen fremden Ländern. Wir treffen täg-
lich Leute aus den Mittelklassen, die sechs oder zehn Jahre
in Amerika waren und ein schnurriges Englisch spre-
chen. In Ägypten wimmelt es von Griechen. Bis in den
Süden hinauf haben sie die Läden, und auch Kleinasien
war voll. Sie machen überall Geld und genieren sich da-
bei nicht, sind als Händler gefürchteter als Syrier und Ju-
den, aber die meisten kommen einmal ins Land zurück
und helfen draußen und drinnen. Es gibt einen Hellenis-
mus mit vielen Zügen des Zionismus, es gibt einen Grie-
chenpfennig, der Panzerschiffe und Flugzeuge stiftet. Die
Generosität der Reichen läßt alle üppigen Opfergaben, die
einst von den Alten den Tempeln geweiht wurden, weit
hinter sich, und dabei betrügt man den Staat, und die
Schieberei mit den Steuern ist Sport wie überall. Kommt

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