Meier-Graefe, Julius
Pyramide und Tempel: Notizen während einer Reise nach Ägypten, Palästina, Griechenland und Stambul — Berlin, 1927

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SIEDLUNGEN

Die neue hebräische Universität liegt sehr hübsch weit
draußen vor der Stadt auf einem Hügel neben dem ÖL
berg, und man hat von hier den schönsten Blick auf das
alte Jerusalem. Die Universität ist ein mit Hilfe wohl-
tätiger Stiftungen gewonnener Aussichtspunkt in freiem
Gelände und hat vorzügliche chemische und physikalische
Laboratorien. Im Keller gibt es das Grab eines althebrä-
ischen Hohenpriesters aus der Zeit des Ilerodes, das beim
Bau zum Vorschein gekommen ist. Demnächst sollen an-
dere Fakultäten angeschlossen werden.

Beiläufig erkundigte ich mich nach den Hörern.

— „Sie werden kommen.“ —

Dieses Wort habe ich in den Tagen auf verschiedenen
Aussichtspunkten in jeder Tonart, gehört. Wenn man die
Herren der Exekutive nach den Bauern fragt, die das
angekaufte Land bevölkern sollen, antworten sie: sie wer-
den kommen. Wenn man in den Siedlungen, wo die Men-
schen noch in dürftigen Baracken existieren, nach den
Häusern fragt, heißt es: sie werden kommen. Erst die
Ställe für das Vieh natürlich, dann das Kinderheim, aber
dann ganz sicher die Häuser. Auch vieles andere wird
schon kommen.

Der Besuch der Siedlungen vollzog sich überall auf
gleiche Art. Meist war der Mann, an den wir uns wenden
sollten, gerade beschäftigt, und es fand sich ein anderer

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