Meier-Graefe, Julius
Pyramide und Tempel: Notizen während einer Reise nach Ägypten, Palästina, Griechenland und Stambul — Berlin, 1927

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DIE SYNAGOGE

Habima, das hebräische Theater aus Moskau, zieht her-
um. Sie geben „Dybuk“, ein Judenstück. Wir trafen im
Theater Dr. Pick, einen Arzt, mit dem uns Levin bekannt
gemacht hatte. Dr. Pick ist sehr gefällig und kannte das
Stück. Er erzählte mir fünf Minuten vor Beginn der Vor-
stellung den Inhalt.

— „Das Stoffliche ist sehr einfach, Sie werden sehen.
Clianon, ein junger Mensch, der den Talmud studiert, liebt
Lea, Tochter des reichen Sender. Früher war der Vater
des Chanon auch reich, und damals haben die Väter ihre
Kinder einander versprochen. Sie verstehen! Als nach-
her der alte Chanon verarmte und starb, wollte Sender
nicht mehr, Sie verstehen, und sagte Lea dem Sohn eines
Reichen zu. Chanon und Lea haben sich nur einmal ge-
sehen und außer guten Tag nichts miteinander gespro-
chen, aber wie gesagt, waren sich zugesagt. Sie verstehen?“

— „Ja, verstehe.“

— „Wie der junge Chanon in der Synagoge von der
neuen Disposition des alten Sender hört, stirbt er sofort.“

— »Oh!“

— „Ja, es geht etwas schnell, aber Sie werden sehen.
Nun kommt im zweiten Akt die Hochzeit oder soll kom-
men, und wie der reiche Menasche seiner Braut nach jü-
discher Sitte den Schleier Überwerfen will, weigert sie

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