Meier-Graefe, Julius
Pyramide und Tempel: Notizen während einer Reise nach Ägypten, Palästina, Griechenland und Stambul — Berlin, 1927

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LUXOR

Vom Bahnhof führen elende Gassen mit verschlafenen
Eingeborenen an den Nil, aber dann wird es schick.
Die Esplanade am Ufer, an den Säulen des Tempels
vorbei zum Winterpalace, eine Promenade des Anglais.
Hier legen die Schiffe an, hier zeigt man sich, tut sich,
und es ist immer etwas los. Gestern kam der Iligh
Kommissioner in seiner Yacht an, und alles wimpelte bunt.
Wir haben Ende Januar, hohe Saison. Luxor gleich Luxus.
Oh wir uns auch solche Fliegenwedel kaufen? Der Bengel
merkte es sofort — also her damit! Zeitungsjungen, Ziga-
rettenverkäufer, dienernde Ladeninhaber, Esel, Gummi-
wagen, Autos. Ein Glück, daß Abdul noch das Weiße ge-
waschen hatte. Behns sind auch da, tragödiös! Eine ganze
Kavalkade von Engländern auf feudal gesattelten Kamelen,
Privatkamelen, natürlich. Der eine Gentleman mit einem
traumhaften Turban aus cremefarbener Seide mit Trod-
deln. Für Frauen ist es nichts, auch wenn sie noch so
schick sind, obwohl die eine, die mit dem grünen Schleier
— ist das nicht die aus dem Katarakt mit dem dicken Pa-
muffel? Na, prost! —

Neben der Esplanade auf tiefer liegendem Terrain die
Säulen mit den vasenhaft gewölbten Kapilälen, verblüf-
fend groß und schweigend, sehr ernst. Es ist eine Art Takt,
daß man nicht mit ihnen auf gleichem Boden ist. Man spa-
ziert an ihnen vorbei, folgt mit den Augen der netten Fran-

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