Meier-Graefe, Julius
Pyramide und Tempel: Notizen während einer Reise nach Ägypten, Palästina, Griechenland und Stambul — Berlin, 1927

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K O M - O M B O UND E D F U

Ägypten Europa sucht, immer nur winzig sein neben den
Gefahren der Überfüllung. Wenn die mit Edfu zu errei-
chende Vollständigkeit realisiert ist, wird der Mensch am
Nullpunkt der Anschauung angelangt sein und alles, was
er an Regungen besaß oder besitzen konnte, in Speku-
lation verwandelt haben. Dann kann er sich die Bade-
hose der alten Äg}^pter anziehen und auf seine Mutter-
sprache verzichten. So ein Ägyptologe war mein Bruder,
der Eisenhüttenmann, der im Hamlet nicht auf hörte, Ma-
schinen zu konstruieren, um die verfluchte Handarbeit
durch mechanische Greifzangen zu ersetzen. Nur der Al-
kohol erlaubte ihm eine Umstellung, und dann wurde er
sentimental und wirkte verheerend.

Zu Abend aßen wir auf dem anderen Ufer bei dem deut-
schen Grafen, der hier unter Palmen eine einsame, aber
rentable Plantage bewirtschaftet. Da er englischer Staats-
angehöriger ist, hat man ihn im Kriege ungeschoren ge-
lassen. Man redete gesittet aneinander vorbei. Es gab aus-
gezeichnete russische Zigaretten aus London.

Die Betten des Griechen waren erträglicher, als ange-
nommen werden durfte. Ein übler Moment kam am an-
deren Morgen, als ein Ring Babuschkas hinter den Wasch-
tisch fiel. Als ich das Möbel zu rücken versuchte, löste
es sich auf, und es kamen Grüfte von der Art der Krokodil-
kammer zum Vorschein. Der ptolemäische Wirt nahm uns
hoch wie im Märchen, und wir beschlossen, keinen wei-
teren Tempel dieser Epoche zu besuchen.

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