Meier-Graefe, Julius
Pyramide und Tempel: Notizen während einer Reise nach Ägypten, Palästina, Griechenland und Stambul — Berlin, 1927

Page: 324
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/meier_graefe1927/0380
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
AKROPOLIS

rinthisch als gleichberechtigte Stilpartner des Dorischen
zu gelten hätten, wie wir es gelernt haben, müßte man
das Parthenon als rassefremden Import den Ägyptern zu-
rückgeben.

Wir haben in der christlichen Baukunst kein Detail von
der Schönheit und Kraft dorischer Säulen, doch will mir
scheinen, als stände der christliche Baumeister auf breite-
rer Grundlage und hätte über mehr räumliche Möglich-
keiten verfügt, weshalb die ungleich reichere Entwicklung
möglich wurde. Diese Einsicht kann zu keiner Überschät-
zung des Gotischen führen, schon weil ohne Griechenland
der verborgenste Zauber von Chartres und Reims un-
denkbar wäre; nur erkennt man tiefer die Einsamkeit der
Akropolis auf dem Hügel Athens.

321
loading ...