Prähistorische Blätter — 6.1894

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Litteratur.

gannen nun heute unser Tagewerk damit, diesen Yersuchsgraben 20 m
wciter fortzufükren , und entdeckten in demselben 6 neue Gräber, die ich
der Kürze wegen wie bisher mit fortlaufenden Nummern bezeichnen will,
also: die Gräber XLIV, XLV, XLVI, XLVII, XLVIII und IL. Was die
Entfernungen der einzelnen Gräber vom Einschnitte betrifft, so betrug die-
selbe bei Grab XLIV 82,65 m, bei XLV 86,80 m, bei XLVI 91 m, bei
XLVII 97 m, bei XLVIII 97 m und bei IL 99 m. Wir öffneten nun
zuerst Grab XLIV. Dasselbe, wahrsckeinlich ein Frauengrab (2,40 m lang,
1,10 m breit und 1,50 m tief), enthält auf ausgebranntem und ausgekalktem
Grunde ein schlecht erkaltenes Skelet. Der ganze Schmuck der Leiche
bestand aus einer einfachen, aus kleinen Glasperlen gefertigten Halskette.
Der fast bei allen vorkommende Lendengiirtel war hier mit eiserner Schnalle
versehen.

6. Tag: Donnerstag den 24. August: Heute nahmen wir vor allem
Grab XLV in Angriff. Wir erwarteten von demselben keine bedeutende
Ausbeute, da die Leiche so hocli gelegt worden war, dass sckon beim
Ziehen des Versuchsgrabens der Schädel des Skelets entwei gestoehen
wurde. Das Grab hatte eine Länge von 2,20 m, eine Breite von 0,75 m
und eine Tiefe von 0,80 m. Den Inhait dieses Grabes bildeten die Eeste
eines stark vermoderten Skeletes von 1,80 m Länge, ohne jeglicke Beigabe.

Bessere Erfolge erzielten wir am Nachmittage, als wir Grab XLVI auf-
deckten. Das Grab mass in der Länge 2,40 m, in der Breite 0,90 m.
1,60 m tief lag ein männliches Skelet von 1,70 m Länge, dessen Knocken
stark vermodert waren. An der linken Seite des Skelets lag eine 85 cm
lange, 7 cm breite Spatha mit sehr starker Holzscheide. Rechts befand
sich in der Höhe des ausgestreckten Unterarmes ein 30 cm langer Sax.
Ein mit bronzener Zierplatte und einem grossen eisernen Sckloss versehener
Ledergürtel hatte einst die Lenden der Leiche umspannt. Im Becken
fanden wir verschiedene Eisen- und Bronzetheile, die zum Wehrgehänge
des Kriegers gehörten. Zu Fiissen des Skeletes stand eine grosse schön-
geformte Urne, weiche ziemlich unversehrt gehoben werden konnte.

(Schluss folgt.)

Litteratur.

Da diesmal eine ungewöhnlick grosse Zahl interessanter und wichtiger
Publikationen eingelaufen und der Raum für eingehende Besprechung
sämmtlicher verdienstlicher Arbeiten zu beschränkt ist, sind wir zu unserem
aufrichtigen Bedauern genöthigt, nur kurz zu referiren.

Anzeiger des germanischen Nationalmuseums. 1894. Nr. 1. Januar und
Februar. Enth. S. 10 und 11: Vorgeschichtliche Fundberichte.

Argo. Zeitschrift für krainische Landeskunde. III. Jhrgg., 1894. Nr. 1.
Enth. u. a.: „Reiseskizzeu aus Italien.“ Von A. Müllner. — „Die
„„Giadisca““ in Krain. Das Gradisce von Laibach und die Lage
Emona’s.“ Von demselben — „Erwerbungen des krainiscken Landes-
museums i. Jahre 1893. III. Ausgrabungen.“

Brunner, Dr. med. Conrad. Die Spuren der römiscken Aerzte
auf dem Boden der Schweiz. Nack einem am 26. Januar 1893
im Rathhaus in Ziirich gehaltenen akademischen Vortrage. Mit 4 pkoto-
lithographischen Tafelu und 7 in den Text gedruckten Abbildungen.
Zürich, 1894. A. Müller’s Verlag. 8°. IV, 66 S.

Der Verfasser gibt zuerst eine kurze Geschichte des Sanitätsdienstes
im römischen Heere und geht dann speziell auf die Schweiz über, indem
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