Prähistorische Blätter — 6.1894

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Bronzefund bei Nöfing, Ober-Oesterreich.

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Bronzefund bei Nöfing O.-Oestr.

Yon JEL. v. Preen.

Mit Tafel II.

Im Herbst 1893 wurde auf dem sogen. Hagland bei
Nöfing, St. unterhalb Braunau a./lnn, ein Bronzeschwert
ausgeackert und der Fund mir gleich gemeldet. Ieh begäb
micli alsbald an den Fundort und konnte feststellen , dass
dasselbe aus einem Grab stamme, zugleich fand ich, dass
noch ein weiteres Grab vorhanden ist, welches aber erst im
nächsten Jahr geöffnet werden kann. Balcl nachdem ich
das Schwert vom Finder uncl Ackerbesitzer für das Museum
in Linz a./D. erworben hatte, ging ich an die weitere Durch-
suchung cles geschleiften Hügelgrabes.

Nachdem ich durch Feststellung der äussersten Grenzen
des Grabes zu einer sicheren Basis gelangt war, um mit dem
Graben zu beginnen, ging ich vom Fundort des Schwertes
aus. Bei diesen Untersuchungen ergab sich, dass sehr viel
Lehm, sowie grosse Bollsteine die Fundstelle bedeckten. Der
Lehm, der in diesem Feld nicht vorkommt, musste wahr-
scheinlich von dem 2 Kilom. entfernten und eine Terrasse
höher liegenden Hart geholt worden sein.

Der Durchschnitt des Tumulus dürfte in seiner Länge
7m, in der Breite 6m betragen haben, während die eigent-
liche Fundstelle 5 m und 4 m misst. Das Grab hat eine
Tiefe von 35 cm; die untere Schicht besteht aus Lehm, dann
folgen grosse Rollsteine. Die Funde (das Schwert und die
meisten übrigen Bronzen) lagen unter der letzten Stein-
schichte, die Scherben, sowie die Bronzenadel etwas tiefer.
Da der Besitzer des Feldes schon eine grosse Anzahl Steine
entfernt hatte, ist wohl anzunehmen, dass dadurch manches
Fehlende verschleppt wurde oder in andere Lage kam.

Trotz genauer Untersuchung konnte ich nur sehr we-
nige Scherben finden , daher an eine Bekonstruktion bei
manchem nicht zu denken ist. Asche fand ich viel, ver-
brannte menschliche Knochenreste nur in der Gegend der
Bronzen, während Kohlen spärlich vorkamen.

Das Schwert, dessen Spitze fehlt, ist sonst vorzüglich
erhalten, mit einer schönen grünen Patina überzogen und
hat eine Länge von 62 cm; der Griff ist 12 cm lang, die
Breite desselben beim Klingenansatz beträgt 5 cm. (Tafel II, 1.)
Es lag mit der Spitze gegen SS.O.

Nichtweit davon fanden sich ein Bronzemesser mit flacher,
einmal durchlochter und oben etwas defecter Griffzunge,
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