Prähistorische Blätter — 6.1894

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Ausgrabungen und Funde.

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Annahme nicht verschliessen, dass entweder sehon eine Nacli-
grabung stattgefunden habe, oder dass dieses Grab, wie auch
schon anderwärts konstatirt, später ausgeraubt worden sei.

1 m von diesem Begräbniss und mit demselben in glei-
cher Richtung zeigten sich schon in der Humusschicht,
kaum 20 cm unter der Ackerfläche, Skelet- und Gefässreste.
Das Gefäss war auch schwarz bemalt und durch unregel-
rnässig eingeritzte Längsstriche verziert.

Die Haupttheile des Skeletes wurden jedenfalls beim
Umpflügen des Ackers iängst aus ihrer Lage gerissen und
im Acker zerstreut. Da hier auch keine weiteren Funde ge-
macht wurden, so sei lediglich das Vorhandensein dieses Be-
gräbnisses konstatirt.

In östlicher Richtung von Grab 9 und 1 m von dem-
selben entfernt wurde das letzte Begräbniss Grab X mit
einem 1,78 m langen, kräftigen männlichen Skelet aufgedeckt,
dasselbe zeigte auch die bisher beobachtete normale Lage.
Als Beigabe fand sic-h ein, einschliesslich der Grifiszunge,
14cm langes eisernes Me?ser (Klinge 11,5, Griffzunge 3,5cm).
Die Breite beträgt 2 cm. Dasselbe lag an der linken Brust-
seite zwischen Brustkorb und Oberarm mit der Spitze nach
Westen. Von dem sonst vorhandenen Grabgefäss zeigte sich
hier keine Spur. Eine schon erfolgte Ausgrabung desselben
erscheint völlig ausgeschlossen. Damit wurden die Nach-
grabungen des Jahres 1889 beendigt.

(Schluss folgt.)

Ausgrabungen in der Löwenhöhle bei Abbach, September-
Oktober 1893. An der Strasse Kellieim-Saal- Abbach-Regensbru'g am rech-
ten Ufer der Donau erheben sich -in der Nähe von Abbach zwischen der
sog. Eyer- und Dautschermühle mächtige Kalksteinfelsen, die sich ganz an
die Strasse herandrängen und theilweise senkrecht gegen dieselbe abfallen.
An der imposantesten Gruppe, woselbst beim Strassenbau die Felsen, welche
vov 1792 bis an die Donau heranreichten, weggesprengt werden mussten,
ist eine grosse Steintafel mit Inschrift angebracht, vor welcher 2 tiberlebens-
grosse Löwenfiguren aus Stein gehauen auf ca. 2 m hohen Sockeln aufge-
stellt sind.

In dieser Felsenpartie befinden sich zahlreiche grössere und kleinere
Höhlen, welche durch 'W'asserausspülungen und theilweise durch Stürze
entstanden sein mögen, jedoch mit Ausnahme einer Höhle, von welcher hier
die Rede sein wird, nicht tief in den Berg eindringen.

Yon Saal kommend sieht man gleich bei Beginn der Gruppe eine senk-
recht. abfallende, ebenflächige Steinwand von ca. 20—22 m Höhe, an welcher
sich trotz der starken Yerwitterung der Oberfläche, die Hiebe von Zweispitz
sog. Schrotte zeigen. Dies und die ganze Situation der ümgebung lassen
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