Prähistorische Blätter — 6.1894

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Ausgrabungen und Funde.

unbedingt darauf scbliessen, dass ein nicbt unerbeblicbes Steinquantum bier
gebrocben wurde.

Weiter gegen Abbacb auf balber Höbe der Felsen scbreitend, findet
man mebrere solche Scbrottfläcben und sogar einen Felsen, welcber mit
sog. Heilbüchsenlöchern (aus Römerzeit) verseben ist, welche allerdings schon
tbeilweise mit Moos ganz überwachsen waren und blossgelegt werden mussten.
Es ist dies eine senkrecbte und eine wagrechte in den Stein gehauene
Rinne, iu welcher in Abständen von ca. 40 cm die ca. 20 cm tiefen J.ager
fiir die Eeile eingeschlagen sind. Das sog. Auftreiben — Absprengen mit-
telst Keile — ist unterblieben.

Nicht weit von bier ist eine kleinere Hölile mit 2 Eingängen, in der
ausser ganz netten Tropfsteinbildungen eine treppenförmige Sinterung zu
seben ist. Diese Höble tropft nur mehr in dem bintersten Winkel und
fand icb nur einige kleine unbedeutende Knöchelchen, ganz oberflächlich
mit Schutt (Gemiscb von Sand und Lebm) bedeckt.

Nocb ca. 100 m gegen Abbach wandernd, stossen wir an den Eingang
der grössten Höble, welcher mit Buschwerk ganz versteckt ist, und eine
offene geräumige Vorballe bildet, diejedoch bald in einen mannshohen Gang
übergebt. Der Gang kann eine Länge von 15 m baben, läuft ziemiicb bo-
rizontal, macht eine leichte Biegung nach links und verjüngt sicb so stark,
dass man nur stark gebiickt hindurcb kann. Nun bricbt der Gang plötzlich
ab und gebt in einen senkrecbten Schacht von ca. 3 m Höbe und 80 cm
Durchmesser über. Mittelst Leiter emporsteigend kommt man in eine ge-
räumige Höble mit Nischen und den Deberresten von leider schon abge-
schlagenen Tropfsteinbildungen, die jedoch immer noch ein groteskes Bild
darbieten. Nach binten wird der Raum immer niedriger und verliert sicb
in kleineren Höblungen, die man nur am Bauche kriechend erreicben kann.

Ungefäbr in der Mitte des grossen Raumes befindet sicb ein tricbter-
förmiges Loch , welches leider durch einen abgestiirzten Stein den Zugang
(Abstieg) versperrt und oberba] b des Imches wölbt sich , wie das Innere
eines Kirchenthurmes, eine Oeffnung nacb oben, die jedoch gescblossen und
keine Yerbindung mit der äusseren Welt bat.

Der Boden ist uneben, lebmig und mit grösseren und kleineren Felsen-
stücken bedeckt, auch zeigte sicb an manchen Stellen, dass oberflächlich
gegrabcn wurde. Die Höble ist ziemlich feucht durch die fortwährenden
Abtropfungen, die Luft selir kiibl, jedocli obne Grubengase zu entbalten.

Meine Ausgrabungen erstreckten sicb auf die ganze Oberfläcbe uud fand
icb eine 30—50 cm tiefe Lehmschichte, in welcher bauptsäcblich die
Knocben lagen. Unter dieser Scbicbte ist Gerölle und gestürzte, berab-
gefallene Tropfsteine , und bat das einströmende Wasser der Tertiär- und
Quatärzeit dies vollbracht. In dieser unteren Schichte fand icb bis zu einer
Tiefe von 1V2 m nicbt die mindesten Knochenreste, während in der Lehm-
schicht dieselben ziemlich zahlreieh waren und manche Knocben sogar so
lagen, dass ein Tbeil derselben aus dem Lehm eiu wenig hervorragte.

Der lmbm ist selir zäbe und kostete es Scbwierigkeiten die verbältniss-
mässig morschen Knocben ganz herauszuarbeiten , was bei Schulterblät-
tern etc. und andern breiten und diinnen Knochen trotz Zeit imd Miibe
nicbt gelang.

Nachdem icb viele Abende bei zweifelhaftem Laternenschein oft in den
scbwierigsten Stellungen (denn die liinteren Partien der Höhlen konute man
nur kriecbend erreicben) arbeitete , bekam icb allmälig ein Bild iiber die
Gestalt der Tbiere, die bier vor Jabrtausenden gehaust baben, nämlich der
Höblenbären (ursus spelaeus).
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