Prähistorische Blätter — 6.1894

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Ausgrabungen und Funde.

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vod Vögeln (Greifen), manchmal wieder solchen von
Vierfüssern. 1) Auf der Gürtelschnalle Figur 17, Tafel XIII,
sind zwei Vogelköpfe (d. h. Greifenköpfe) dargestellt 2).
(Fortsetzung folgt.)

Ausgrabungen und Funde.

Die „Königsberger Allgemeine Zeitung“ schreibt: Auf der Kurischen
Nehrung werden zur Zeit interessante archäologische Forsch-
u n g e n , insbesondere auf den südlich von Nidden gelegenen, sogenannten
vier Hügeln unternommen. Der bei dem Prussiamuseum angesteilte städt-
ische Lehrer Hollack hat hierbei besondere Erfolge erzielt. So ist es
ihm gelungen, eine Meile südlich von Nidden zwischen Düne und Vordüne
in dem sogenannten Kupsenterrain eine steinzeitliche Wohnstätte
zu entdecken und auszugraben. Die Fundstücke lagen 3-- 4 Meter unter
der Obeiüäche tief im Wasser vergraben, so dass es eigentlieh eines Dampf-
baggers bedurft hätte, um sie alle zu heben. Die Nehrung ist im Laufe
der Jahrtausende zweimal versandet. Unter der oberen, etwa einen Meter
dicken Sandschicht liegt eine ungefähr */2 Meter breite Waldbodenschicht;
darunter wieder eine Sandschicht und unter dieser der älteste Waldboden,
worauf meistens eine rothe thonhaltige Erde folgt. Unter dem ältesten
Waldboden und der rothen Thonschicht lagen die meisten Fundstücke.
Spricht dieser Umstand schon für das hohe Alter der erwähnten mensch-
lichen Niederlassung, so wird dieses, das in ungefährer Schätzung ins dritte
•Tahrtausend vor Christi Geburt zurückgeht, bestätigt durch die Funde selbst
und ihre Bearbeitung. Die in den woitesten Kreisen Deutschlands als
Archäologen geschätzten Professor Dr. Bezzenberger und Direktor v. Czihak,
welche die Fundstätte gleichfalls in Augenschein nahmen, sprachen sich für
das bezeichnete Alter gleichfalls aus. Unter den zu Tage geförderten
Gegenständen erwähnen wir Steinkeile in einer Bearbeitung, wie sie die
hiesigen Museen noch nicht aüfzuweisen haben, ovale, vom Feuer ge-
schwärzte kleine Thonwannen, Stücke grosser Schüssein und namentlich
Speiseüberreste, Fischschuppen in grosser Anzahl, sowie ein Stück von einem
bearbeiteten Thiergeweih, bei dem aber die Untersuchung noch nicht fest-
gestellt hat, ob es vom Rennthier herrührt. Die unzulängüchen Mittel der
Prussia-Gesellschaft haben es leider nicht gestattet, die Untersuchung bis
zu Ende zu führen.

Man schreibt aus Kopeuhagen, 23. Juli. Sowohl in Dänemark wie in
Norwegen sind in diesen Tagen recht interessante Funde gemacht worden,
nämlich je ein Paar altnordische B r 0 n z e h ö r n e r. Von diesen
2—3000 Jahre alten Musikinstrumenteu besitzt das' hiesige altuordische
Museum eine einzig dastehende Sammlung von 19 Stück. Dn Ganzen fand
man in Dänemark 23 Bronzehörner, ferner 8 in Schweden und eiuige in
Mecklenburg. Das Paar Hörner, das man jetzt in Dänemark gefunden
hat, lag in einem Hoorboden bei Nykjöbing auf Falster und war zerbrochen,
doch werden sich die Hörner, da nichts fehlt, wieder vollständig zusammen

1) Beispiele: Lindenschmit, a. a. 0. Taf. V, Fig. 344, Troyon. Tom-
beaux de Bel-Air. Pl. IV, Fig. 7. Meyer von Knonau, G. 'Alaman-
nische Denkmäler in der Schweiz. Taf. I2, Fig. 30, 31, 44—45. Moreau.
Coliection Caranda. Pl. XXVIII.

2) Diese Schnalle befindet sich im Universitätsmuseum in Lund.
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