Prähistorische Blätter — 6.1894

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Die vorhistorische Keraraik mit fabrikmässigem Betrieh.

sich die Handhebung jener Keramik durch Ausbreitung der
Modellirmasse in Formen; an der Luft sclmell zu geringerer
Temperatur gebracht oder als wasserfeuchte Masse getrocknet,
verkürzte der Guss seine Dimension uud fiel leicht aus der
Form. Das erhaltene Gefäss erhielt öfters einen Ueberzug
von wässerigem Thonschlamm und wurde nach dem Trocknen
umgekehrt auf einem Dorn stehend, wie wir aus Eindrücken
von drei Punkten auf dem inneren Boden zvveier Gefässe
entnehmen, schwach gebrannt. Gefässe mit starkem Pech-
gehalt wurden nicht gebrannt. —

Es gelangen sehr schwach oder gar nicht gebrannte
feinere Schalen von so exacter und glatter Form in unseren
Besitz. dass es fast unmöglich erscheint, ihre Lieferung auf
freie Handarbeit zurückzuführen. — Bei Anwendung von
Formen kann jedes Material, auch wasserfeuchtes, zur Heb-
ung kommen. Ausser den schwarzbrüchigen Pechgefässen
zeigen wir auch solche, die kein Pech bei ihrer Herstellung
enthielten. •—

In einem Hiigel fand sich bei Urnen ein grösseres
Stück Pech. Bröckchen desselben, entzündet, brannten, aber
olme Harzgeruch. Das Pech war völlig zu dunkelster Kohle
umgewandelt, jedoch von Holzkohle leicht zu unterscheiden.

Da die beschriebene Procedur genügte, um schnell gute
Arbeit zu liefern, tritt die gewiss längst bekannte, aber ent-
behrliche Drehscheibe wahrscheinlich erst so auffallend spät
bei uns in ihre Rechte.

Die Gräber der liegenden Hocker in Mähren. * *)

Mitgetheilt von Jaroslav Palliarcli in Znaim.

Mit Tafel IX und X.

Unter den prähistorischen Gräbern Mährens bieten ein
besonderes Interesse die Gräber mit sogenannten „liegenden
Hockern.“ Dieselben sind für die prähistorische Forsc.hung
von Wichtigkeit, weniger wegen der auffallenden Bestattungs-
weise , welche übrigens in allen Welttheilen und zu den
verschiedensten Zeiten geiibt wurde, sondern vielmehr wegen
der eigenartigen Kultur, welche diese Gräber begleitet
und welche nach den gegenwärtigen Ergebnissen der Forsch-
ung auf den nördlichen und mittleren Theil Böhmens, Mähren
und den nördlich der Donau gelegenen Theil Niederöster-

- v

*) Die Abbilduugen sind der Zeitschrift „Casopis vlasteneckeho mu-
zejniho spolku slomuckeho" entlehnt.
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