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Siebentes Kapitel
Kandide wird von der Alten wohl gepflegt und findet
unverhofft feine Geliebte

/"getrost und unverzagt ward Kandide nun zwar nicht, aber mit ging er. Sein Führer
vOv brachte ihn in ein altes, ganz verfallenes Gebäude, gab ihm ein Krügelchen Pomade,
sich damit zu falben, fetzte ihm zu effeu und zu trinken hin, zeigte ihm ein ganz fauberes Bettchen
und daneben einen ganz vollständigen Anzug. „So wünsche ich Ihnen denn gefegnete Mahlzeit
und auch angenehme Ruh. Morgen früh mache ich Ihnen wieder meine Aufwartung."
Kandide, in die heftigste Rührung versitzt, ergriff mit Wärme ihre Hand und wollte sie
zum Munde führen. „M, das wollt ich mir fehr verbeten haben; das gebührt mir nicht.
Ocka, morgen bin ich wieder da. Brauchen Sie nur die Pomade recht hübsch, lieber junger
Herr, und fpeifen Sie und ruhen Sie fein wohl."
Das tat denn Kandide; aß und schlief recht gut, fo hart ihn auch fo vielerlei Ungemach zu
Boden drückte. Am folgenden Morgen brachte ihm die Matrone zu frühstücken, besichtigte

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