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Zwölftes Kapitel
Wie übel es der Alten weiter erging
^Arsiaunt und entzückt, meine Muttersprache zu hören, und über die eben vernommene
Rede nicht wenig verwundert, erwiderte ich, daß es noch größeres Unglück gäbe, als
das sei, worüber er sich beklagte. Mit ein paar Worten erzählte ich ihm all das gräßliche
Elend, dessen Raub ich gewesen, und sank wieder in Ohnmacht. Er trug mich in ein be-
nachbartes Haus, legte mich in ein Bett, brachte mich wieder zu mir, erquickte mich, ließ
mir nichts an Wartung und Trost, noch an Schmeicheleien abgehen; sagte, er habe nie
aus Gottes Erdboden ein schöneres Geschöpf gesehen als mich und seinen unersetzlichen Ver-
lust nie so stark bedauert als jetzt.
Ich bin aus Neapel gebürtig, sagte er, ward mit dem günstigsten Erfolge kastriert und
sodann Kapellsänger bei Ihro Durchlaucht der Fürstin von Palestrina.
Bei meiner Mutter, schrie ich. Bei Ihrer Frau Mutter! ries er, und Tränen schossen
über seine Wangen. So wären Sie die junge Prinzessin Aurora, die ich bis ins sechste
Jahr erzogen, bei der damals alle die Reize in der Knospe lagen, die ich bei Ihnen in so
voller, schimmernder Blüte sehe! Sind Sie's denn wirklich!
Wirklich! Und meine Mutter liegt vierhundert Schritte von hier unter einem Hausen
von Toten geviertelt!
 
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