Wagner, Ernst ; Haug, Ferdinand [Hrsg.]
Fundstätten und Funde aus vorgeschichtlicher, römischer und alamannisch-fränkischer Zeit im Großherzogtum Baden (Band 1): Das Badische Oberland: Kreise Konstanz, Villingen, Waldshut, Lörrach, Freiburg, Offenburg — Tübingen, 1908

Seite: 64
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AMT STOCKACH. — ORSINGEN.

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(Francisca), eine Eisenspeerspitze mit Tülle (L. 33,2 cm), das Bruchstück einer
Spat ha, fünf Pfeilspitzen von Eisen, darunter zwei mit starken Widerhaken, einige
Eisenmesser, eine verzierte Gürtelschnalle aus Bronze mit Silberbeschlag (Fig. 42)

Fig. 42.

und ein graues verziertes doppeltkonisches Tongefäßchen (H. 14 cm). Genauere Angabe
der Fundstätte fehlt. (Lindenschmit, A. H. V. III, Heft II, Taf. V, 3.)

98. ORSINGEN.

Ha,? Grabh iigel werden im „Wachenholz“ westlich von Orsingen am Waldweg
nach dem Stokfelder Hof genannt (1900).

R. Prof. Oken in Zürich (Brief desselben an Dekan Ochsenreuther in Orsingen vom
29. September 1846 in den A. K.) stieß im selben Jahr bei Verfolgung einer von S. her-
kommenden Römerstraße westlich von Orsingen in den „Kopfäckern“ auf römische
T rümmer, „Backsteine, Dachziegel und fast auf allen Feldern umher Scherben in Menge,
auch solche von Terra sigillata mit Figuren“, und schloß daraus auf „einen ganzen römischen
Ort“. Er ließ Nachgrabungen vornehmen, welche zum zusammenhängenden Fundament
eines Gebäudes mit 19 m langer südlicher Hauptseite und 17 m T. führten, von denen
er einen (unrichtig schiefen) Grundriß fertigte. 1847 wurde Prof. Fi ekler in Donau-
eschingen seitens des Gr. Ministeriums des Innern mit weiterer Untersuchung der Trümmer
beauftragt (Bericht vom 29. April 1847 in den A. K. und in den Sehr. V. Baden u. Don.
II. 1849, S. 400 ff.), und im September 1849 nahm Konservator v. Bayer in seiner
Begleitung einen rektifizierten Plan des Baues auf (A. K.). Weitere Maßregeln zur
Erhaltung desselben wurden nicht getroffen; man begnügte sich, einen „Warnungsstock“

mit Darstellung des Grundplans aufzustellen, der aber
1857 abgefault war und nicht erneuert wurde.

Nach v. Bayers Planzeichnung (s. Fig. 43 /) lag dem
kleinen Gebäude ein rechteckiger geschlossener und ge-
pflasterter Vorhof A vor; im Gebäude selbst ließen sich
fünf Räumlichkeiten B — F unterscheiden, von diesen
B, D und F wahrscheinlich mit betoniertem Boden,
F mit Hypokaustenheizungs-Einrichtung (Säulcben aus
geschichteten viereckigen Backsteinplatten, einige aus
Sandstein), nach S. mit halbkreisförmigem Ausbau, den
symmetrisch auch der Raum F besitzt. Oken nennt
noch bei Q ein Präfurnium mit Resten von Asche und Kohle besonders gegen F hin
(von Herrn v. Bayer nicht mehr aufgezeichnet). An Kleinfunden ergaben sich Leisten-
und Hohlziegel (nirgends ein militärischer Stempel), Tonscherben, auch solche von
figürlicher Terra sigillata, Glasstücke, zwei Kupfermünzen von Vespasian und Trajan, eine
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