Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 12.1917

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Besprechungen.

Die Philosophie der Gegenwart. Eine internationale Jahresübersicht...
herausgegeben von Arnold Rüge. Bd. V, Literatur, 1913. Heidelberg, Weiß-
sche Universitätsbuchhandlung, 1915. Lex.-Form. XII u. 292 S.

Der verdienstvolle Herausgeber dieser Zusammenstellung bemerkt im Vorwort
(dem übrigens eine englische und französische Übersetzung beigegeben ist): »Die
Lebenskraft eines mitten im Existenzkampf stehenden Volkes zeigt sich doch wohl
auch darin, ob Werke sich zu halten vermögen, die mit dem blutigen Ringen in
keinen Zusammenhang zu bringen sind.« Das ist richtig. Mit aus diesem Grunde
setzen ja auch wir Zeitschriftenherausgeber nebst unseren Verlegern alles daran,
rein wissenschaftliche Unternehmungen aufrecht zu erhalten. Aber abgesehen davon
und bloß sachlich betrachtet bleibt die Fortführung des Rugeschen Schriftenverzeich-
nisses deshalb wünschenswert, weil auf keine andere Weise die so nötige Übersicht
über das weite Gebiet der philosophischen Weltliteratur gewonnen werden kann.
Im besonderen muß zugestanden werden, daß die deutschen Arbeiten unter unge-
nügender Berücksichtigung des fremdländischen Schrifttums leiden. Es ist erstaun-
lich und bedauerlich zugleich — gerade auch vom nationalen Gesichtspunkt aus —,
wie wenig wir von den philosophischen Bewegungen im Auslande wissen. Dieser
Satz gilt für die Ästhetik in vollem Umfange. Leider versagt hier Ruges Biblio-
graphie einigermaßen, weil sie den Begriff Ästhetik ziemlich eng faßt und die allge-
meine Kunstwissenschaft überhaupt ausscheidet. Aber die Schriftenverzeichnisse
dieser Zeitschrift bieten ja Ersatz, obwohl auch sie das erstrebte Ideal oft nicht er-
reichen. Im übrigen kann »Die Philosophie der Gegenwart« durchaus empfohlen
werden.

Berlin. ___________ Max Dessoir.

Friedrich Überwegs Grundriß der Geschichte der Philosophie. Bd. II
herausg. von Matthias Baumgartner, Bd. III herausg. von Max Frischeisen-
Köhler, Bd. IV herausg. "on Konstantin Oesterreich. Berlin, E.S.Mittler &
Sohn, 1914—1916.
In den letzten Jahren sind der zweite, dritte und vierte Band des »Überweg«
in neuer Bearbeitung erschienen. Jeder dieser Bände hat dadurch erheblich an
Wert gewonnen, jeder auch ein besonderes Gesicht erhalten. Baumgartners Dar-
stellung der patristischen und scholastischen Zeit ist ungemein ausführlich, zieht
die Quellen und die gesamte neuere Forschung heran, macht den Eindruck größter
Zuverlässigkeit und wird, solange nicht neue Untersuchungen mit neuen Gesichts-
punkten das Bild ändern, das beste Buch für den wissenschaftlich Arbeitenden sein.
Frischeisen-Köhler hält zwischen dieser im besten Sinne gelehrten Art und einer
ganz selbständigen Durchdringung des Stoffes die honette Mitte. Ihm fehlt es
weder an Kenntnis der Quellen noch an Gedanken über die geschichtlichen Zu-
sammenhänge; doch verbindet er beides mit einer ziemlich weitgehenden Rücksicht
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