Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 16.1922

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410 BESPRECHUNGEN.

men enthalten, die in den besonders anregenden Erörterungen des zweiten Kapitels
dargelegt werden. Der Verfasser behandelt sie unter den Kategorien: Raumgestal-
tung, Formgestaltung, Bewegungsgestaltung, Tonwerte und Farben.

Den Abschluß bildet ein kurzer Ausblick auf den Kulturwert der künstlerischen
Photographie.

Ein äußerst wichtiger, vielleicht neben der Bildnisphotographie der wichtigste
Zweig der künstlerischen Photographie bleibt seltsamerweise unerwähnt. Es ist die
Photographie von Werken der bildenden Kunst. Hier bietet sich der künstlerischen
Photographie ein weites Feld der Wirksamkeit dar, das trotz der überraschenden
Fortschritte der beiden letzten Jahrzehnte noch eine Fülle von ungelösten Aufgaben
enthält. Ich hebe nur ein Beispiel heraus. Bei der Wiedergabe von Plastiken und
Architekturen spielt, wie der Kunsthistoriker aus schmerzlicher Erfahrung weiß, die
Wahl der »Ansicht« eine wichtige Rolle. Man darf von dem künstlerisch geschulten
Photographen erwarten, daß er statt der oft ganz willkürlich und zufällig gewählten
die Ansicht wiedergibt, die der künstlerischen Besonderheit des darzustellenden
Werkes entspricht.

Kiel. Elisabeth von Orth.

R. Wustmann, Albrecht Dürer. 2. Aufl. von A. Matthaei. Mit 1 Titelbild u.
30 Abbildungen im Text. Leipzig, Teubner, 1919. (Aus Natur- u. Geistes-
welt Bd. 97.)

Den Zweck seines Dürerbüchleins hatte Wustmann selbst in der ersten Aus-
gabe klar hervorgehoben. Er wollte eine knappe zusammenhängende Erzählung
von Dürers Schaffen bieten und damit zu den mannigfachen populären Bildersamm-
lungen Dürerscher Kunst eine literarische Ergänzung liefern. Die vorliegende
zweite Auflage ist nach dem Tode des Verfassers von Adalbert Matthaei besorgt
worden. Der Grundstock ist derselbe geblieben; aber mit großem Geschick hat der
neue Herausgeber die Lücken und Unebenheiten beseitigt, die der ersten Ausgabe
anhafteten. Vermutungen rein gefühlsmäßiger Art, die sich nicht haben halten
lassen, sind mit schonender Hand entfernt worden. Alle Stücke aus dem Bereich
der Schwarz-Weiß-Kunst, auf welche der Text sich bezieht, sind durch Hinzufügung
der betreffenden Nummer in die Sammlungen von Lippmann und Bartsch einge-
reiht. Eine beträchtliche Anzahl lehrreicher Anmerkungen führt in den Stand und
die Probleme der Dürerforschung ein.

Im Text ist ein Kapitel über Dürers Entwicklungsgang hinzugekommen. Es
gibt einen kurzen treffenden Überblick über Dürers Gesamtentwicklung und rundet
damit das Schriftchen erst ab. Die zweite Ausgabe ist in Matthaeis Händen eine
durchgreifende Verbesserung der ersten geworden.

Kiel. Elisabeth von Orth.

Aristoteles, Über die Dichtkunst. Neu übersetzt und mit Einleitung und

einem erklärenden Namen- und Sachverzeichnis versehen von Alfred Gude-

man. Der Philosophischen Bibliothek Band 1. Leipzig 1920, Verlag von

Felix Meiner. XXIV u. 91 Seiten.

Vergleicht man die neue Übersetzung mit einigen älteren, z. B. mit der Über-

wegschen (1869), an deren Stelle sie in der Philosophischen Bibliothek getreten ist,

oder mit der weitverbreiteten Übersetzung von Stich (1887) oder mit der viel zu

»schönen« von Th. Gomperz (1897), so scheint sie in einer Hinsicht sofort hinter

ihren Vorgängerinnen zurücktreten zu müssen: sie liest sich nicht besonders flüssig,
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