Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 16.1922

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VIII.

Konrad Fiedler.

Von

Hans Paret.

Kein Bericht aller Meinungen Konrad Fiedlers soll hier gegeben
werden, keine Aufzählung seiner Kunsturteile und eigenartigen Lehren.
Wer Fiedler, dessen Name heute lebendig ist in dem Streit um die
Kunstwissenschaft und dem die berufenen Vertreter dieser Kunstwissen-
schaft unvergängliche Verdienste um ihre Disziplin zuerkennen, genauer
kennen lernen will, der nehme die beiden Bände der von H. Konnerth
besorgten trefflichen Ausgabe von Fiedlers »Schriften über Kunst«
zur Hand1). Der Herausgeber dieser Ausgabe hat uns überdies eine
übersichtliche Darstellung der Kunsttheorie Fiedlers im Zusammenhang
mit der Darstellung der Theorien H. v. Marees' und Ad. Hildebrands
geschenkt und den Zusammenhang in den Anschauungen dieses
Freundeskreises herausgearbeitet2). Wer aber nicht nur den Ästhetiker
und seine formvollendeten Schriften, sondern auch den edlen Menschen
und seine persönlichen Beziehungen zu den Freunden kennen lernen
will, der greife zu Meier-Gräfes ausgezeichneter Monographie über
Hans v. Marees.

Auch keine Kritik der Fiedlerschen Theorie von einem fertigen
System der Ästhetik aus soll hier gegeben werden. Denn einfach
zwar, aber auch gänzlich unfruchtbar wäre es, in dem Streit um das
Wesen und die Berechtigung von Ästhetik und Kunstwissenschaft je
nach dem eigenen Standpunkt Fiedler entweder als willkommenen
Zeugen aufzurufen und zu preisen, oder ihn vor einen Richterstuhl,
dessen Recht er nie anerkennen würde, zur Verurteilung zu ziehen.

Es gibt aber auch eine bescheidenere Kritik, die nicht von außen
her an die Ergebnisse eines fremden Denkens herantritt, mit Lob und
Tadel, sondern sich ins Innere zu versetzen sucht, um die zunächst
abgeschlossen uns gegenüberstehenden Sätze mit ihren mancherle1
Widersprüchen und Seltsamkeiten aus dem zugrunde liegenden leben-

J) Konrad Fiedler, Schriften über Kunst I, II. München 1913, 1914. (Nach
dieser Ausgabe wird hier zitiert.)

2) Hermann Konnerth, Die Kunsttheorie Konrad Fiedlers. München 1909.
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