Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 16.1922

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BEMERKUNGEN.

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schaft arbeitet mit Begriffen, die Kunst mitderAnschauung. Die Wissenschaft
fragt nach dem kausalen Zusammenhang der Dinge, die Kunst nach deren
Erscheinungsform. Dennoch haben beide Tätigkeiten gewisse Berührungs-
punkte. Auch der Gelehrte kann nicht ohne Phantasie auskommen. Auch er
muß Fiktionen bilden, d. h. Dinge annehmen, deren Unrichtigkeit ihm völlig be-
wußt ist, die er aber als Hilfsmittel des Denkens braucht... Der Kantianer Vai-
hinger hat kürzlich in seiner ,Philosophie des Als Ob' alle diese Fiktionen behandelt
und zur bewußten Selbsttäuschung in der Kunst parallel gestellt«. — Und damit
sind wir endlich an dem Punkte angelangt, wo wir unmittelbar an Vaihingers Ge-
danken anknüpfen und versuchen können, sie für unsere Fragen weiter fruchtbar
zu machen. Die Darlegung der bestehenden Kontroversen war hierzu notwendig,
doch möge sie wie oben gesagt nicht als eigentliche Polemik aufgefaßt weiden,
wenn auch der eigene Standpunkt des Verfassers dabei begreiflicher Weise betont
und verteidigt werden mußte. —

IV. »Illusio
Für mich und gewiß für

Weltanschauungbedeutet,

bSHg

n« oder »Wertvolle Fiktion«?
zahllose andere, denen Philosophie in erster Linie
liegt der besondere Wert und die befreiende Wirkung
3 er zwar ganze Reihen von überkommenen
iit rücksichtsloser Schärfe als »Fiktionen«:,
des Denkens erweist, zugleich aber nach-
id ihren hohen praktischen Wert be-
fertigtwird,daßdie menschliche Psyche
;r Begriffe bedient, obwohl sie genau weiß,
bweicht. So wird der kritische Geist ge-
imismus führende Skepsis vermieden, was
Dositivismus« bezeichnet werden darf. Es
:währt, fast durchgehend anregende Paral-
n zu den künstlerisch-ästhetischen ziehen
es naturgemäß nicht getan hat; so braucht
i« zu sagen: »Schauen« (beziehungsweise
isch« — »ästhetisch«, um zu überraschend
ien Gattungen der Kunst zu gelangen. Man
n, daß der Künstler »mit Auge, Ohr oder
Tönen und Rhythmen usw. denkt«!
| dementsprechend auch die inneren Bezie-
ht durchaus richtig erkannt und mehrfach
.: »Die ästhetische Fiktion respektive eine
il sehr enge an die wissenschaftliche an;
sdenkt, daß in der Bildung beider dieselben
dprozesse mitwirken«, und S. 134:
:haftlichen Fiktion viel klarer erfassen, wenn
:hen sich klar macht« '). Der elementare,

das von R. Avenarius aufgestellte Gesetz des
chaft wie Kunst gleichermaßen gelten lassen
[■ von K. Lange so genannten »Bequemlich-
iben die Anmerkung 1 zu S. 76). In gleicher
n: »Man muß sich hierbei daran erinnern,

Gesamtheit nicht die Bestimmung hat, ein
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