Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 22.1928

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BESPRECHUNGEN.

gar negativ war. Im Unterschiede zu diesen Ergebnissen zeigten die Urteile der
Musiker eine befriedigende Korrelation mit den Ergebnissen der Testprüfung auch
auf anderen als den rein motorisch-rhythmischen Gebieten.

Da die Untersuchungen bisher nur an 20 Schülern durchgeführt wurden (von
denen 16 Klavier und 4 Geige spielten), so müssen — wie F. Mercer Brennan be-
tont — die Ergebnisse über eine besonders hohe Korrelation zwischen einzelnen
der verwendeten Tests und den verschiedenen künstlerischen Qualitäten der Musik-
darbietung wohl als vorläufige angesehen werden, die nur für den Fachmann von
Interesse sind. Erwähnt sei, daß die Korrelation zwischen den komplexere Fähig-
keiten messenden Tests (Tongedächtnis, Rhythmus) im ganzen höher war als bei
elementareren (Tonhöhe, Intensität). Der Einfluß vorausgegangener musikalischer
Ausbildung trat bei der Beurteilung des Prüflings auf Grund seines eigenen Spieles
weit stärker hervor als bei den Ergebnissen der Testprüfung. Bei den Geigern z. B.
schien die Reinheit des gespielten Tones in höherem Maße von der Ausbildung
der motorisch-technischen Fähigkeiten des Prüflings abzuhängen als von seiner
durch die Testprüfung ermittelten Unterschiedsempfindlichkeit für Tonhöhen.

Hamburg.

Margarete Eberhardt.

v. Allesch, G. J., Die ästhetische Erscheinungsweise der Farben.
Berlin 1925, G.Springer. 157 S.

v. Allesch unternimmt den dankenswerten Versuch, das Experiment mit dem
ästhetischen Elementarwert »Farbe« aus den unfruchtbaren Niederungen der quanti-
tativen Ermittlung unkontrollierbarer »Vorzugswerte« zur eingehenden qualitativen
Analyse der ästhetischen »Erscheinungsweise« der Farben zu erheben. Er geht von
dem umfassenden negativen Nachweis aus, daß es solche feste Vorztigswerte für
die einzelnen Farben nicht gibt und eine »Reihenfolge der Wohlgefälligkeit der
Farben« bei der Eigentümlichkeit der ästhetischen Farbenauffassung nicht geben
kann. Denn nicht etwa nur die Wohlgefälligkeit, sondern schon die Feststellung des
Farbtons selbst (bei gleichbleibendem physikalischen Reiz) unterliegt im ästhetischen
Erleben der Farbe — im Gegensatz zu deren wissenschaftlicher Einordnung in
ein System — den auffälligsten Schwankungen. Die Farbe wird als ästhetisches
Gebilde in einer bestimmten inneren Richtung gesehen, die, vom seelisch-geistigen
Verhalten des Beschauers mit abhängig, deren Quäle erst eigentlich bestimmt. Diese
geistige Intention des Beschauers und dies »farbige Gerichtetsein der Erscheinungr,
das Auszeichnende der ästhetischen Farbenanschauung, tritt erst in der Weise des
Ausdrucks deutlicher zutage; es schließt die Ausgestaltung der Farbe ins Bedeu-
tungsvolle in sich ein.

Die verschiedenen Gruppen solcher »Intentionen« oder »Erscheinungsweisen«,
die Verfasser in feiner, durch reiche wie ästhetisch wertvolle Protokolle belebter
Analyse aufzeigt, stehen in überraschender Übereinstimmung mit den Ausdrucks-
aspekten, die Referent in experimenteller Analyse des musikalischen Elementaraus-
drucks als letzte Kategorien aufgefunden hat: Fundamentale Bewegungsinhalte, Sinnes-
und Stimmungscharaktere, Momentanstimmungen und Dauercharaktere, Tätigkeiten
und Situationsbilder, Kundgaben von Seelischem (»Äußerungen« S. 64) »Sphären«-
gehalte werden ganz ebenso in Farben und Farbenpaaren als Ausdruck erlebt wie
in elementaren Tonmotiven, wozu »Formalintentionen« und Gefühlsreaktionen des
Beschauers stützend und modifizierend treten. Hier wie dort ist das Erleben im
komplizierteren Gebilde (Farben-, Tonkombination) prinzipiell dasselbe, wie im Ele-
ment, und auch der Aufbau des Erlebnisses vollzieht sich bei Farben und Tönen
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