Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 22.1928

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BESPRECHUNGEN.

der jedes Werk auf sich selbst gestellt ist, soll bei der geplanten Neuordnung des
Museums für antike Gipsabgüsse durchgeführt werden).

Gar manches vom Rom der Renaissance hat das neue Rom zerstört: manches
von hohem ästhetischen Wert wie den Palast des Bankiers Bindo Altoviti (Abbil-
dung 19), manches von hohem geschichtlichen Wert, darunter sogar die Werkstätte
Michelangelo (S. 100 f.). Manches haben schon frühere Zeiten durch Größeres ersetzt
(S. 43, 74 z. B.) oder auch nicht zu schätzen gewußt, wie die Wandmalerei des
Gentile da Fabriano in der Lateranbasilika. Wie aber die Renaissance selbst mit
den antiken Werken umging! In seltsamem Gegensatz zu dem archäologischen
Kult des Altertums wurden die antiken Bauwerke während der ganzen Renaissance-
zeit als bequeme Steinbrüche für Neubauten benützt. Ebenso rücksichtslos ging mau
beim Suchen nach Altertümern vor. Vielfach zerstörte man mehr als man wußte
und beabsichtigte (S. 95).

In der neuen Auflage sind vor allem die Abbildungen stark vermehrt. Auch
das neugeschaffene Museum (Museo Petriano) wird genannt.

München.

Georg Schwaiger.

Pastor, Ludwig v., Die Sixtinische Kapelle. Die Stanzen und Log-
gien des Vatikans. Beschrieben und erklärt. Herder, Freiburg 1925. 169 S.
mit 5 Tafeln.

Bei der Beurteilung der kleinen Schrift von Pastor muß berücksichtigt werden,
daß sie nicht als selbständiges Ganzes entstanden ist, sondern einen Sonderabdruck
darstellt aus den einschlägigen Bänden der Geschichte der Päpste (Bd. 2—5). In-
folge dieses Ursprunges ist sie auch in ihrer Keimzelle nicht kunstwissenschaftlich.
Die Kunstwerke werden, so sehr sie gepriesen und inhaltlich gedeutet werden, in
erster Linie in ihrer Beziehung zur Geschichte der Päpste betrachtet sowohl ihrer
Entstehung wie ihrem Inhalt nach. Das künstlerische und das kunsthistorische, das
strukturelle sowie das historische Eigenleben des Kunstwerkes kommen erst in
zweiter Linie. Ist so die kleine Schrift keine fachwissenschaftliche, so darf sie doch
als eine volkstümliche Einführung in die von ihr behandelten Kunstwerke bezeichnet
werden. Als solche zeichnet sie sich vor allem durch die glückliche Verbindung des
Historischen mit dem Theologischen aus: Es spricht über die Sixtina, die Stanzen,
die Loggien im Vatikan einer, der die Papstgeschichte aus ihren Quellen kennt und
dem die katholische Theologie als Lebensform vertraut ist. Aber es muß wiederholt
werden, das ist für die künstlerische Betrachtung auch dieser mit Inhalt erfüllten
Kunstwerke nicht das Grundlegende sondern das Füllende, ja für sie als Produkt
der italienischen Renaissance gilt es ganz besonders. »Historisches Wissen ist zum
Verständnis nicht erforderlich«, bemerkt Wölfflin in der Einleitung zum Abschnitt:
»Die Camera della Segnatura« in seiner ^Klassischen Kunst«5 (S. 87) und fügt dem
den Hinweis bei auf den »befreienden Aufsatz« von Wickhoff (Jahrbuch der preußi-
schen Kunstsammlungen 1903). An mehreren Stellen hebt der Verfasser das Histo-
rische über das allgemein Bekannte hinaus in das Gebiet der Forschung (z. B.
S. 58 ff. Zeitpunkt des Einsetzens der Opposition gegen Michelangelo nach einem
ungedruckten Bericht und Geschichte der Opposition; S. 62 die erste Übennalung;
S. 115 f. Vertrautheit der weitesten Kreise und nicht zum wenigsten der Künstler
mit theologisch-mystischen Dingen innerhalb der Renaissance; S. 119 Camera della
Segnatura ursprünglich als Bibliothek gedacht, Korrektur an der Aufstellung Wiek-
hoffs; S. 128 die Messe von Bolsena in Beziehung zu Julius II.; S. 140 u. 149 f.
Deutung des Fresko der Krönung Karls; S. 151 f. Deutung des Brandes im Borgo
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