Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 22.1928

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BESPRECHUNGEN.

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wenig zum System ausgebaut, was für die historische Erfassung des Tatbestandes,
auf der gerade die größte Belastung liegt, nicht ohne Gefahr ist.

Die Ausstattung des Buches (Typen und Papier, Abbildungen, Einband) ist gut.
Da und dort steht aber ein Druckfehler (z. B. S. 22 Z. 10 von unten steht be statt
bei. U. a.).

München. ,_ Georg Schwaiger.

Lempertz und Becker, Der Weg zur Kunst für Schule und Haus.
Eine leicht faßliche Einführung. Köln, Bachem. 52 u. 63 u. 45 S. mit 216 Abb.
Einführungen in die bildende Kunst sind schon verschiedene geschrieben worden.
Dem Ideal nahe zu kommen ist hier besonders schwer. Die Hauptschwierigkeit
sehe ich darin, daß man, wenn man wirklich einführen will, schon in die Anfangs-
gründe etwas vom Ganzen und Letzten der Kunst hineinbringen soll. Denn nicht
Anfänge, Äußerlichkeiten, Einzelheiten machen die Kunst und das Kunstwerk aus,
sondern eben das Ganze und das Letzte und die Einzelheiten aufgenommen in das
Letzte und Ganze. Man darf der Kunst gegenüber wirklich an das Wort des griechi-
schen Weisen über die Gottheit denken, daß es schwer sei, sie zu erkennen und
nochmals schwer, das was man erkannt zu haben glaubt, nun andern mitzuteilen.
Daher wohl die immer wieder neuen Versuche. Ein Besonderes ist es nun noch,
eine Einführung zu schreiben für die oberen Klassen der Volksschule und darüber
hinaus für die heranreifende Jugend. Eine solche zu liefern haben sich ein Mittel-
schullehrer (im Sinne von Preußen) und ein Kunsthistoriker zusammengetan. Die
Verfasser stehen auf dem Standpunkt: »Erst dann, wenn wir den kindlichen Blick
für die Einzelschönheiten eines Kunstwerkes geschärft, wenn wir es mit den Ele-
menten der Kunst bekannt gemacht haben, dann dürfen wir auch Verständnis von
ihm erwarten für das Kunstwerk in seiner Gesamtheit« (Vorwort). Am Ende der
Einführung in die Elemente der Kunst (Baukunst, Malerei, Bildhauerkunst) wird
nochmals betont, daß es gegolten hat, die Einzelheiten des Kunstwerkes sehen
zu lernen (Bd. II, S. 63). Gewiß. Es ist aber doch mit Hinblick auf die Arbeit der
Verfasser zu bemerken: man muß sich hüten, die Bestandteile allzu einfach im Stile
der Didaktik der Volksschule zu entwickeln, sonst bleibt für die Kinder von der
Kunst kaum noch ein Hauch übrig. Ich möchte es auch bezweifeln, ob das Prinzip
der Arbeitsschule mit Nutzen gerade bei der Einführung in die Kunst angewandt
werden kann, so hoch man es sonst stellen mag. Ich befürchte, daß das, was die
Kinder »machen« können, jede »Ahnung« von Kunst erstickt. Die Aufgaben, die
diese Einführung stellt, verstärkten meine Befürchtung. Dazu noch: der erste und
der zweite Teil der Einführung sind auf den Ton der Volksschule gestimmt, der
dritte Teil (Einführung in die Entwicklung der Kunst) aber auf einen ganz anderen,
viel höheren; da erscheinen die Begriffe i harmonisch«, »rhythmisch« usw. Ein innerer
Übergang findet in der Einführung sich nicht. Da liegt, wenn man so sagen will,
das Problem. Man muß denken, die Kinder sind inzwischen -irgendwie« reifer ge-
worden. Das ist ein Nachteil der Einführung, zumal die vorderen Teile Verweise
auf den letzten Abschnitt enthalten (z. B. S. 40). Es dürfte sich empfehlen, in die
ersten Teile »mehr« hineinzubringen und den dritten Teil mit Umschreibungen und
Auflösungen der Begriffsformeln wie »rhythmisch« u. a. m. zu durchsetzen. Zu be-
grüßen ist die Trennung: »Einführung in die Elemente« und »Einführung in die
Entwicklung«. Ein guter Gedanke war es auch, der Entwicklung das Leben zu-
grunde zu legen. Es heißt: »... der nächste Weg . . . soll zeigen, daß die Kunst
nicht neben dem Leben hergeht, sondern ganz aus ihm herauswächst, daß sie
nicht nur das verkörpert, was der einzelne Künstler gedacht und empfunden, son-

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