Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 36.1911

Page: 33
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1911/0049
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
AUS DER ARGOLIS

33

Zeit. Das älteste unter ihnen ist ein von Stais entdecktes
geometrisches Schachtgrab (AeHiov 1 889, 107. 144. 163 ff., vgl.
Collignon-Couve 202. 203 und Arch. Jahrbuch XIV 86), das
anfangs irrig als mykenisch bezeichnet wurde (daher Frazer,
Pausanias III 275). Es ist sehr wichtig, dass in und bei Troi-
zen keine einzige mykenische Scherbe gefunden ist, wie auch
der ganze Typus der Stadtanlage unmykenisch scheint; auch
beweisen ja die Nachrichten über den ouvoixiopog von Troi-
zen eine verhältnismässig späte Entstehung.
Im Hippolytos-Bezirk (Skizze BCH. XXIX 1905, 288) war
bisher selbst der Ort des Stadions unsicher. Schon Legrand
zweifelte an der von Curtius empfohlenen Ansetzung, zumal
er bei seinen Versuclisgrabungen dort nichts fand. Nun läuft
aber unterhalb (d. h. südöstlich) der alten Bischofskirche
('Ejtmxonü)) eine fast 200 m lange Stützmauer an dem paral-
lel der Kirche verlaufenden Geländeabfall. Hier scheint also
ein Stadion gelegen zu haben, das genau wie das von Priene
nur an der einen Langseite Sitzstufen hatte (tua nAeupa). Weil
nun der Aphroditetempel gerade über dem Stadion gelegen
haben muss, so ergibt sich auf anderem Wege eine Bestäti-
gung für die Ansicht von Legrand, der jenen Tempel auf
der Stelle der Kirche annahm.
Für die troizenischen Kulte ist ein hier zum ersten Male
veröffentlichtes Urkundenrelief (Abb. 5) bedeutsam, das über
einer Ehreninschrift (IG. IV 748, von Fränkel auf 369 v. Chr.
datiert) angebracht ist. Links von der Gruppe des Geehrten
und des ihn kränzenden Gottes (Poseidon) steht eine Göttin,
die Legrand zweifelnd als Athena bezeichnete (BCH. XVII
1 893, 103); Fränkel schien die Benennung richtig. Aber die
Photographie zeigt sofort: es ist eine Aphrodite im Typus
der Venus geuetrix, und es ist interessant, dass sich genau die-
selbe Statue auch auf römischen Kupfermünzen von Troizen
findet (Imhoof-Gardner, Numism. comm. on Paus. 48 Tf. M.
IX—Abb. 6). Nun ist das erste Beiwort, das Steph. Byz. (s. v.
TpoCrjv) der Stadt gibt, 'AippoÖKnctg. Ausser dem nur durch
Pausanias bekannten Kulte der 'AippoMti] 'Axpcaa (vgl. Le-
grand, BCH. XXIX 1905, 313) und einem anderen ebenso ob-
scuren der 'Atppoöuai NvpqÜM (Paus. II 32, 7) hat aber die Stadt

ATHENISCHE MITTEILUNGEN XXXVI

3
loading ...