Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 36.1911

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ZU DEN BAUWERKEN ATHENS

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dert. Aber zwei neue Tatsachen sind beigebracht worden, die
für die Feststellung seiner Geschichte von Bedeutung sind.
Erstens hat H. Schräder nachgewiesen (AM. XXX 1905,
305), dass die alte dorische Architektur des Hekatompedons,
die Th. Wiegand veröffentlicht hat, in eine ionische mit einem
Sculpturenfriese ausgestattete Innenarchitektur umgeändert
worden ist, als durch die Peisistratiden eine dorische Ring-
halle um den Tempel gelegt wurde. Was A. Furtwängler,
der denselben Fries dem grossen Altar der Athena zuschreibt,
gegen die Theorie Schräders vorgebracht hat (Münch. Sitz.-
Ber. 1906, 143), scheint mir nicht stichhaltig. Schon die ver-
hältnismässig gute Erhaltung der Reste des Frieses erklärt
sich, im Gegensätze zu Furtwänglers Behauptung, viel bes-
ser, wenn der Fries an einem hohen Tempel angebracht war,
als wenn er einen niedrigen Altar schmückte. Durch den
Fortfall der dorischen Ringhalle nach den Perserkriegen
(vgl. W. Judeich, Topogr. v. Athen 240 A. 3) ist das Heka-
tompedon der erste Tempel Athens mit ionischer Aussen-
architektur geworden. Seine Architektur und sein Grundriss
(Amphiprostylos) haben dann als Vorbild für drei ionische
Tempel des V. Jahrhunderts gedient (Nike-Tempel, Erech-
theion, Tempel am Ilissos). Auch der Titel der Schrift des
Parthenon-Architekten Iktinos "De aede Minervae dorica quae
est Athenis in arce' (Vitruv VII praef. 12) findet erst dadurch
seine volle Erklärung, dass damals der Parthenon der dori-
sche, das alte Hekatompedon aber der ionische Tempel der
Athena war.
Zweitens ist der Stylobat des alten Athena-Tempels, wie
die von Balanos an der Korenhalle vorgenommenen Ergän-
zungen bestätigen, auf allen vier Seiten des Tempels durch
das ganze Altertum hindurch erhalten geblieben, mit Aus-
nahme desjenigen Stückes der nördlichen Ringhalle, über
dem das Erechtheion erbaut wurde. Die hier fortgebrochenen
Stylobat-Steine sind zur Fundamentierung der Stufenmauer
südwestlich vom Parthenon benutzt worden, einer Mauer,
die nach Fertigstellung des Parthenon bei der Regulierung
seiner Umgebung, also wohl 438-434, errichtet worden ist
(AM. XXVII 1902, 401). Wie ich in der letzten Tatsache eine
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