Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 36.1911

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ZU DEN BAUWERKEN ATHENS

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(B 549: xa8* 8" sv 'Aüfjvrjc' sloEv EM Eid naoia vT)fp), deute ich seit
Jahren anders als früher und nehme sie sogar jetzt wörtlicher
als Petersen selbst! Den vvjög Homers erkläre ich nicht mehr
als Heiligtum, als heiligen Bezirk, sondern als Tempel, als
Cultcella. Im alten Hekatompedon selbst, einem wirklichen
nao)v und zwar in der Cella der Athena hatte Erechtheus
nach meiner jetzigen Ansicht seinen Platz und war so ur-
sprünglich wirklich der Paredros der Göttin. Erst nach Er-
bauung des Erechtheions wurde er mit dem zweiten Paredros
der Göttin, mit Hephaistos, in die für Athena bestimmte
Ostcella des Neubaues verpflanzt, wo Pausanias ihre beiden
Altäre erwähnt. Petersen dagegen glaubt, dass Erechtheus
und Athena stets gesonderte Cellen hatten, die nur mit dem
Rücken aneinander stiessen oder, wie er jetzt für richtiger
hält, sogar durch einen offenen Hof getrennt waren. Davon
steht im Homer aber nichts. Nach mir ist also der ndow
der Athena an jener von den Athenern selbst interpolierten
Homerstelle der damals bestehende hundertfüssige Tempel,
in dessen Cella neben Athena auch Erechtheus verehrt
wurde; nach Petersen ist er dagegen nicht der damals vor-
handene grosse Tempel, sondern ein von ihm nur angenom-
mener kleiner uralter Doppelbau mit zwei gesonderten
Cellen für Athena und für ihren Paredros. Wessen Erklä-
rung ist da wohl die richtigere? Und wer interpretiert in den
Homer-Text etwas hinein ?
Sodann sucht Petersen meine Ansichten über die Burg-
tempel dadurch beim Leser zu verdächtigen, dass er mich
als voreingenommen hinstellt und nur vorwirft, dass ich, um
ein erwünschtes Ziel zu erreichen, mit Willkür vorgehe, den
angerufenen Zeugen Gewalt antue und so die von ihm und
anderen so schön geordnete Topographie der Burg in Ver-
wirrung bringe. Er selbst will dagegen möglichst voraus-
setzungslos vorgegangen sein und alle alten Zeugen ohne
Zwang verhört haben. Sollte aber nicht das Verhältnis ge-
rade umgekehrt sein? Petersen hat seine Ansicht über die
Burgtempel und speciell über das Erechtheion als alten Athe-
na-Tempel noch vor der Entdeckung des alten Hekatompe-
don gebildet. Damals schrieb er alle auf den letzteren Tem-
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