Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 36.1911

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W. DORPFELD

liehen Bauten Hadrians errichtet worden sind, kann das Beu-
lesche Tor kaum entstanden sein. Dazu kommt noch, dass die
schmale und ausserordentlich steile Treppe, die östlich vom
Beuleschen Tore bei dessen Erbauung angelegt wurde und
eine Entstellung der grossen Freitreppe bedeutete, richtiger
einer viel späteren Epoche zugeschrieben wird.
Hat aber das Nikias-Monument in der Nähe des Diony-
sos-Bezirkes gestanden, so erhebt sich von neuem die oft be-
handelte Frage, ob unser von Nikias, dem Sohne des Niko-
demos, im Jahre 320 errichteter Bau, der die Form eines
Tempels hatte, nicht etwa identisch ist mit dem von Plutarch
(Nik. 3, 3) erwähnten Tempel im Dionysos-Bezirk, welchen
der im V. Jahrhundert lebende berühmte Nikias, der Sohn
des Nikeratos, erbaut hatte (6 101$ xopTjytxoh; rpiaooiv unoxEi-
pevog ev Amvucou vsoog). Da Versakis den Bau, dessen Material
im Beuleschen Tore steckt, um ein Jahrhundert höher da-
tiert, als die Weihinschrift angibt, so iudentificiert er ihn mit
dem von Plutarch erwähnten Tempel des älteren Nikias und
nimmt als wahrscheinlich an, dass der jüngere Nikias seinen
Siegesdreifuss auf den ebenfalls für Dreifüsse bestimmten
Bau seines älteren Verwandten gesetzt habe; der jüngere
Tempel des Dionysos, in dem das Bild des Gottes von Alka-
menes stand, habe jedoch mit diesem Nikias-Bau nichts zu
tun. Dass seine Datierung unseres Monumentes unrichtig ist,
glaube ich oben bewiesen zu haben und kann daher auch
dieser Combination nicht beitreten.
Annehmbarer erscheint mir die Ansicht von Furtwang-
ler (Münch. Sitz.-Ber. 1901, 413), der eine Verwechselung des
jüngeren Nikias mit dem bekannten älteren Nikias durch
Plutarch annimmt. Dadurch dass das Nikias-Monument nun-
mehr durch die Entdeckung von Dinsmoor wenigstens in die
Nähe des Dionysos-Bezirks kommt, hat Furtwänglers Ansicht
an Wahrscheinlichkeit gewonnen. Gleichwohl kann ich ihr
nicht zustimmen. Am richtigsten scheint mir eine andere
Lösung, bei der wir dem Plutarch keinen Irrtum zuzuschrei-
ben brauchen, nämlich die von Judeich (Topogr. 283 A. 12)
und von mir (Dörpfeld-Reisch, Das griech. Theater 21) ver-
tretene Ansicht, dass der jüngere Tempel des Dionysos (Paus.
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