Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 36.1911

Page: 137
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1911/0155
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
DAS HERAKLEION VON MELITE

137

Herakles selbst dem Wein nur allzu ergeben war, ist ja all-
bekannt. Er ist nickt erst durch die Komödie zum Säufer
geworden, sondern schon auf den Vasen des VI. Jahrh. sieht
man ihn zum Schmausen und Kneipen gelagert, teils allein,
teils in Gesellschaft des Dionysos daher hält er ja auch
gern den dionysischen Kantharos und wird später ein regel-
mässiger Gefährte des bakchischen Thiasos. Vermutlich er-
klärt sich dieser dionysische Zug im Charakter des Herakles
aus der Art seines Kultes, und dieser wieder aus der Art der
Leute, die die Gestalt des Herakles geschaffen haben, d. h.
der Tirynthier, die als ein fröhliches weinlustiges Völkchen
geschildert werden Auf jeden Fall passt die Kelter aufs
beste zu dem auf anderem Wege gefundenen Kultinhaber,
selbst dann, wenn man die einfache, unmythologische Er-
klärung (oben 8.117) nicht für ausreichend hält.
Wenn wir jetzt noch einen Brunnen (AM. XX 1895, 1 75),
wie er in jedem Heiligtum Vorkommen kann, erwähnen, so
ist bereits der gesamte Befund des eigentlichen Bezirks erläu-
tert. Es ist aber noch kurz der südliche Vorhof zu bespre-
chen. Er ist nachträglich von dem Hauptbezirk abgetrennt
worden, bildete aber wahrscheinlich den einzigen Zugang
zu ihm. Dagegen lässt sich nicht beweisen, dass auch im
Vorhofe derselbe Kult ausgeübt wurde; vielmehr kann der
kleine sog. Tempel auch einer anderen Gottheit geweiht ge-
wesen sein. Sollte er aber doch zu dem Herakleion gehört
haben, so kann man den sog. Tempel auch als Schatzhaus

Roschers Lexikon s. v. Heros 2513; Daremberg-Saglio s. v. Hercules 110
Anm. 31; Schömann-Lipsius II* * 592.
* Vgl. Furtwängler in Roschers Lexikon s. v. Herakles 2237 und 2249;
Petersen, RM. XV 1900, 58. Einige Beispiele älterer Vasen: Furtwängler-
Reichhold Taf. 4; Österr. Jahresh. III 1900, 65; Gerhard, Trinkschalen
Taf. C6; Brit. Mus. Catal. of Vases III Tal. IV. Jacobsthal, Theseus auf
dem Meeresgründe (1911) 15, macht mit Recht darauf aufmerksam, dass
in den bildlichen Darstellungen bis etwa 450 von allen Göttern nur Diony-
sos und Herakles zu Tische Hegen.
" Dass man diesen Zusammenhang schon im Altertum empfunden hat,
beweisen die Worte des Herakles bei dem Komiker Ephippos (II 251 Kock
= Athen. X. 442 d): oux olohd p övra Jtpdc üecov Tipmdhovj'AQYEiov, oi
peOuovreg atsi idq pa^ac [ Jtdoaq pdxovrai: — roiyap ohv tpEuyouo' dei.
loading ...