Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 36.1911

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NERIKOS

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Not auch die yf) sxi6$ roü loüpoü bedeuten, obwohl das nach
der Ausdrucksweise von III 94, 2 nicht eben wahrscheinlich
ist, und tatsächlich fassen Dörpfeld und Vollgraff (Neue Jb.
für d. kl. Alt. XIX 1907,61 7) die Stelle so auf. Aber nach
dem sachlichen Zusammenhang ist das unmöglich. Das Cas-
tell bei Hagios Georgios, in dem Dörpfeld die thukydidei-
sche 'Burg' oder 'Festung' Nerikos * erkennen will, ist zum
Schutze der Molen da; es war in Kriegszeiten gewiss gut
besetzt und bewacht, so dass jeder Handstreich von vorn-
herein aussichtslos erscheinen musste, und überhaupt stand
es in so enger Verbindung mit der Hauptfestung Leukas—es
liegt ja unmittelbar neben der südlichen Hafenausfahrt—dass
Asopios sich nicht mit 12 Schiffen dorthin getrauen durfte;
diese wären der leukadischen Flotte in die Hände gefallen,
während die Soldaten an Land waren. Welche Macht man
für nötig hielt, um in die Nähe der feindlichen Hauptstadt zu
ziehen, zeigt Thuk. III 94, wo 30 attische Schiffe noch 15 ver-
bündete und das Heer der Akarnanen abwarten, ehe sie vor
Leukas rücken. Und gerade das akarnanische Fussvolk hätte
Asopios vorher entlassen? Es handelt sich bei seinem Unter-
nehmen einfach um den Überfall eines kleinen, offenen Ortes
den man nicht zu nahe bei Leukas suchen darf; Asopios wollte
wohl nach dem erfolglosen Sommerfeldzuge noch einen klei-
nen Erfolg erzielen, den er der Volksversammlung vorzeigen
konnte. Ein Gegenstück bietet der Überfall der Strandwa-
chen bei Ellomenos (III 94), der unternommen wird, um die
Zeit zu füllen. Nerikos ist also auch bei Thukydides ein Ort
auf der heutigen Insel Leukas und zwar nicht allzu nahe
bei der Hauptstadt gelegen, wie die Schwäche der Flottille
des Asopios zeigt.
Unabhängig hiervon überliefert uns auch Apollodor bei
Strabon c. 452, dass Nerikos auf Leukas lag 2. Gegenüber

* Tatsächlich sagt Thukydides von einer Befestigung von Nerikos
nichts. Die (ppoupoi oder tppoupoa sind Strandwachen, die von der Bevölke-
rung des Ortes deutlich genug unterschieden werden.
2 Er schreibt Nf)pno$; darauf kommt nichts an. Er las so in seinem
Homer und auf dieselbe Lesart geht auch die Neritis des Plinius zurück.
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ATHENISCHE MITTEILUNGEN XXXVI
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