Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 36.1911

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FRAGMENTE MYKENISCHBR WANDGEMÄLDE

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7. H. 5,5, B. 3,8 cm. Ganz schwarz verbrannt. Reste des
oberen Teils der Hinterbeine zweier hintereinander nach
rechts stehender Pferde.
8. Taf. XII 2. H. 14, B. 16,5 cm. Oben sehen wir die Beine
zweier nach links laufender Männer. Die Oberschenkel und
Füsse sind nackt, die Unterschenkel mit Gamaschen um-
schnürt, die vorne bis über das Knie reichen (Reichel, Ho-
mer. Waffen 2 59, A. 1). Von einem Chiton, dessen unterer
Rand bei der linken Figur doch schon sichtbar sein müsste*,
ist nichts zu sehen. Dagegen hängt zwischen den Beinen ein
schmaler, unten sich etwas verbreiternder Streifen herunter 2.
Er lässt sich kaum anders erklären, als dass die Männer mit
einem Tierfell bekleidet sind, dessen Schwanz hinten her-
unterhängt, wie auf einer Londoner Gemme und der Tiryn-
ther Kriegervase s. Das Motiv, wie die Männer laufen, so
dass das vorgestellte Bein des zweiten das hintere des Vor-
dermannes überschneidet, wiederholt sich später unabhängig,
aber auffallend ähnlich, auf-attischen Preisamphoren. Eine
genaue Parallele gibt es auf den unpublicierten Fragmenten
eines oder mehrerer grosser Silbergefässe aus dem vierten
mykenischen Schachtgrabe*, die zu dem Besten kretisch-
mykenischer Kunst gehören. Die beiden sich überschneiden-
den Beine finden sich dort fast identisch im Motiv — nur die
Beinschienen fehlen — und im Stil, übereinstimmend in der
ungewöhnlichen Länge und in der Schmalheit von Knie und
Knöchel. Wir müssen für beide Monumente eine gemeinsame
Quelle annehmen, die in der Wandmalerei der ersten spät-
minoischen Periode zu suchen ist.
Auf dem Silbergefäss berühren die Füsse der laufenden

** So auf dem orchomenischen Fragment bei Bulle Taf. 28,1 4. Nach den
in der Reproduction nicht genau wiedergegebenen Formen sicher das Bein
eines laufenden Mannes (wie 11) und kein Arm. Die Ärmel der mykeni-
schen Chitone enden unmittelbar über dem Ellbogen, der Chiton selbst
unten in der Mitte der Oberschenkel.
^ Der schwarze Streifen links daneben ist wohl nur eine Brandspur.
3 Die Gemme: Furtwängler, Ant. Gemmen II 15. Vgl. Furtwängler-
Loeschcke, Myk. Vas., Erkl. zu Tf. E 27. Die Vase: Schliemann, Tiryns Tf.14.
^ Erwähnt von Reichel, a.a.O. 106, Anm. 1 mit Abbildung einiger Details.
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ATHENISCHE MITTEILUNGEN XXXVI
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