Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 36.1911

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WIEDERHOLUNGEN EINER SATYRSPIELVASE

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gerundeten, am Rande gestrichelten Zacken. Etwa der Mitte
jeder Wölbung entspricht am unteren Rand ein ebenfalls
unregelmässig geformter Fleck b
Auf der Bonner Vase waren drei Figuren der Athener
wiederholt (Taf. XIII 3. XIV 1), der Flötenbläser nebst dem
vor ihm tanzenden Choreuten und der vorgelehnte Satyr mit
eingestützter Hand b Nun gehört aber unzweifelhaft zu der-
selben Vase noch der vor einem Pfeiler stehende Chorsatyr,
der vom Kinn bis zur Mitte der Oberschenkel erhalten ist
(Taf. XIV 2). Die Dicke der Scherbe, die Zeichnung des Kör-
pers und der Hände, die Form des Schurzes — alles stimmt
vollständig mit den beiden anderen Bonner Fragmenten über-
ein. Der Choreut stand mit ziemlich zusammengeschlossenen
Füssen nach rechts und macht einen Gestus, als ob er in die
Hände klatschen wollte. Ihm gegenüber ist noch der Rest

' Es scheint dasselbe eigenartige und bisher unerklärte Ornament ge-
meint zu sein wie auf der Neapler Satyrvase bei der Muse (Streifen ober-
halb des Gürtels) und an dem Chorführer im kurzen Chiton rechts unten
(auf der Brust); auf dem Berliner Andromedakrater (Arch. Jahrbuch XI
1896 Taf. II) bei Andromeda, Aphrodite und dem Aithiopen (jedesmal
mittlerer Streifen auf der Brust); auf dem Ninnionpinax ('Erp. dpx- 1901
Taf. I) bei Demeter, Kore (auf der Brust) und Hekate (obere Borte des
Mantels); auf dem Krater de Laborde I Taf. XXVII bei der Göttin rechts
von Aphrodite (auf der Brust) und auf dem Krater aus Böotien in Athen
Nr. 1 381 (Collignon-Couve 1 344; Dumont et Chaplain, Ceramiques de la Grece
propre I PI. XIV) bei den Amazonen (als obere oder untere abschliessende
Borte). Bald als Streifen auf der Brust, bald als unterer Abschluss des Chi-
tons erscheint das Ornament ferner auf den noch nicht abgebildeten Kra-
teren in Athen, Nationalmuseum Nr. 1329 (C. C. 1897), 12269, 12489 und
12490. Zu Grunde zu liegen scheinen ausgesparte Halbkreise mit einem
Punkt in der Mitte, die zunächst regelmässige gerundete Zacken zwischen
sich schlossen, wie es die Abschlussborte auf der Brust der Göttinnen von
dem Krater Nationalmuseum Nr. 12196 zeigt. Durch flüchtige Zeichnung
der Zacken, Strichelung des Contours und Vergrösserung des Punktes zu
Flecken oder Strichen entstanden dann die merkwürdigen Gebilde der an-
deren Vasen.
? Die Form der Bonner Vase wird nach Analogie der Athener eben-
falls die eines Dinos gewesen sein; vgl. Dresdener Schauspielerrelief 18
Anm. 30. — Die Maasse, die ich an gleichen Partien der Bonner Scherben
und der Athener Vase genommen habe, weichen nur um wenige (1-4) Milli-
meter von einander ab.
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