Das Buch für alle: illustrierte Blätter zur Unterhaltung und Belehrung für die Familie und Jedermann — 56.1921

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Die von Beeren.
Roman von Georg Hartwig (Emmy Koeppel).
(Fortsetzung.)

sollten nicht suchen, was doch nicht zu finden ist. Streben
sollten wir nur danach, was in unserer Kraft liegt, unserem
Können nicht unüberwindlich ist, und das Erstrebte und Erreichte
dann auch festhalten."
„Sie mögen recht haben. Ich aber verdanke mir selbst nichts.


Phot. A. Rupp.

Burg Eltz an der Mosel.

mich
man
man
Und

o ganz und gar töricht ist es wohl doch nicht," fuhr
.wenn man von der guten alten Zeit

Eine der schönsten deutschen Burgen, das Stammschloß der in Ungarn ansässigen Grafen
von Eltz, ist durch eine Feuersbrunst fast ganz zerstört worden. An der Eltz kn einem Seiten-
tal der Mosel gelegen, hat die Burg, die in ihren ältesten Teilen aus dem zwölften
Jahrhundert stammte, alle Stürme überdauert,- sie gehörte zu den wenigen Burgen, die
Ludwig XIV. bei der Zerstörung der Pfalz unbeschädigt ließ.

ist anders geworden. ,Verfeinert ist
Verlegenheitswort. Aber was soll
so viel Verwirrtes in uns allen, daß

Salberg fort,
spricht und sie, leider vergebens, zurücksehnt. Unser
ganzes Empfinden
nur so ein eitles
machen? — Es ist
sich in sich selbst oft nicht mehr zurechtzufinden vermag,
noch schlechter gelingt uns dies mit anderen."
Hanna blickte ihn fra¬
gend an. „Sonderbar.
Sind Sie sich wirklich
selber eine so dunkle Er-
scheinung?"
„Leider. Und mir
scheint, als ob auch Sie
nicht behaupten könn¬
ten . . ."
Nasch unterbrechend
erwiderte Hanna: „Sie
urteilen wohl doch zu
sehr nach sich selber. Ich
bin mir durchaus klar¬
über mich."
„Das darf ich von mir
nicht behaupten, ohne
unwahrhaftig zu sein..
Mir ist trotz aller Selbst
Prüfung mein eigent¬
liches Wesen unbekannt,"
sagte er noch leiser. „Ja,
ich darf wohl sagen: un¬
ergründlich. Ich finde
keinen sicheren Weg zu
mir selbst rind kann doch
dem Trieb zur Ergrün¬
dung meiner Fehler und
Schwächen nicht wider¬
stehen, so wenig erfreu¬
lich das Ergebnis auch
ausfällt. In solchen Fäl¬
len sucht man sich zu be¬
scheiden und ergibt sich
in das unabwehrbare
Geschick."
Im Innersten bewegt
empfand Hanna die Me¬
lancholie seiner Worte.
Mit einem eigenen Ton
der Stimme begann sie:
„Von Fügung oder Ge¬
schick sollte man nicht
sprechen. So wenig tief¬
sinnig es klingen mag,
so sage ich doch, wir

Ich weiß auch nicht, was ich erstreben sollte und noch weniger
erreichen. Mir ist alles nur zugefallen; ohne Anstrengung
bin ich alle Wege gegangen. Mein Studium berechtigte mich
wohl so gut wie andere, um einen Platz im Leben zu ringen.
Mir fehlt der Ehrgeiz; ich bin tricblos. Warum? Wohl allein
deshalb, weil ich nicht gezwungen bin. Gar nichts verdanke
ich mir, genau genommen, selbst. Weder meine Erziehung
noch mein Vermögen. Was sollte mir zu tun bleiben? Ich
weist es nicht."
„Sie dürfen nur wol-
len, dann must ein Ziel
auch erreichbar sein," er-
widerte sie b.stimmt.
„Das ist es sa! —
Was soll ich wollen? Ver-
geblich habe ich darüber
nachgedacht . . ."
Die Logentür ging
auf. Der Oberforstmeister
kehrte zurück.
Salberg erhob sich
und fragte leise: „Darf
ich in günstiger Stunde
noch einmal wagen, das
Gespräch fortzusetzen?"
Hanna antwortete:
„Gern will ich Sie an-
hören."
Die Nentmeisterin
sagte Salberg rasch noch
einige angenehme Worte
über sein frisches Aus-
sehen, obwohl er nicht
um einen Ton anders
aussah als gewöhnlich.
Tante Amalie reichte ihm
mit verbindlichsten Lä-
cheln die Hand, und die
Oberforstmeisterin erin-
nerte ihn liebenswürdig
an den nächstenLiteratur-
abend. Dann schloß sich
hinterSalbergdieLogen-
türe.
Inzwischen fühlte sich
Frau Beate unbefange-
ner als vorher. Bei ihrer
Kurzsichtigkeit war ihr
nicht aufgefallen, daß
man sie von allen Seiten
mit den Operngläsern
betrachtet hatte. Rein-
hold war es dagegen so
wenig entgangenwiedas

b. 1921.
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